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Chevrolet Captiva 2.4 LS 5-Sitzer
Chevrolet gibt mächtig
Gas und baut mit dem neuen Crossover Captiva im Wachstumssegment der SUV seine Produktpalette
weiter aus. Bislang eher bekannt für große, durstige Wagen, wagt sich Chevrolet damit
erstmals auf neues Terrain. Wie sich der gezähmte Korea-Amerikaner durch den europäischen
Straßendschungel schlägt erfahren Sie hier. www.automobilrevue.de brauste mit dem kleinsten
aller Chevy SUVs über schnelle Autobahnen, kurvige Alpenstraßen und durch die
chaotische rushhour von Paris.
Bislang war die noch junge Marke mit dem traditionsreichen Namen bekannt für kleine
und preiswerte Automobile. Doch mit dem neuen Captiva, der in Kooperation mit der GM-Tochter
Opel entwickelt wurde und in Südkorea vom Band läuft, greift man jetzt auf allen Fronten
selbstbewußt an. Doch wer nun glaubt, das wichtigste Kernmerkmal nämlich ein
hervorragendes Preis-Leistungsverhältnis - der ehemals als Daewoo hierzulande vermarkteten
Automobile sei abhanden gekommen, der irrt. Das Gegenteil ist der Fall, denn die Koreaner
bieten neben hohen Nutzen und einem sportlich-starken Design einen attraktiven Einstandspreis
von 22.490 Euro für den fünfsitzigen Benziner mit Frontantrieb. Ein neues Markenimage,
dem ein Hauch von Sehnsucht, unendlichen Highways und ein wenig Verruchtheit umweht,
gibts als Bonus mit dazu.
Die hohe Frontpartie mit dem großen Chevrolet-Emblem wirkt wuchtig und dominant und
harmoniert prächtig mit dem SUV typischen Offroad-Look. Überhaupt haben sich die Designer
große Mühe gegeben und mit dem 4,64 Meter langen Captiva ein ungemein harmonisch wirkendes
Fahrzeug auf die Räder gestellt, das rein optisch auch locker in die 40.000 Euro-Klasse
passen würde.
Durchzugsschwacher Motor
Als erste Bewährungsprobe scheuchten unsere Testfahrer den Chevy mit Karacho die A5
Richtung Schweizer Grenze. Doch Schnellfahren ist nicht unbedingt die große Stärke
des 2.4 Liter Benziners, der 100 kW/136 PS leistet und mit langem Anlauf bis zu 185
km/h rennt. Bis Tempo 140 beschleunigt der Captiva ausreichend gut, doch darüber gehts
nur noch zäh voran. Das üppige Leergewicht von über 1,7 Tonnen, die große Stirnfläche
und der etwas schwachbrüstige Motor verhindern hohe Geschwindigkeiten. Also Tempomat
auf 150 km/h gesetzt, die Johnny Cash CD ins serienmäßige Radio reingeschoben und dem
entspannten Cruisen steht nichts mehr im Wege. Leider ist die hohe Geräuschkulisse
stets allgegenwärtig, der fehlende sechste Gang sehr wünschenswert. Auch mit der Laufkultur
des gequält klingenden Vierzylinders ist es nicht unbedingt zum Besten bestellt, ein
wenig mehr Souveränität würde dem Antriebsaggregat nicht schaden.
Beim entspannten gleiten zeigt der Captiva dann aber seine Sonnenseiten. Die Federung
ist ausgeglichen und kontert fiesen Querfugen der Betonplatten auf der A5 zwischen
Frankfurt und Darmstadt überlegen. Die bequemen Sitze sind rückenschonend (Fahrersitz
mit Lendenwirbelstütze) und lassen längere Fahrten nicht zum Fall für den Orthopäden
werden. Lediglich sehr große Fahrer ab 1,90m stoßen mit dem Knie an die Mittelkonsole
und wünschen sich einen längeren Verstellbereich des Sitzes. Das Lenkrad ist leider
nur in der Höhe, nicht aber in der Längsachse verstellbar, was zu weit durchgestreckten
Armen führt.
Reich an Ablagen und versteckten
Fächern
Dafür stößt der großzügige und modern gestaltete Innenraum beim Testteam auf viel Sympathie.
Der Materialmix hinterläßt einen guten Qualitätseindruck und das Cockpit ist frisch
und freundlich gestylt. Die Anordnung der Schalter und Instrumente sinnvoll und logisch,
so daß die Bedienung auch für Chevrolet-Neulinge keinen Griff zum Handbuch erfordert.
Pingelige Fahrer stören sich allenfalls an unbeleuchteten Lenkradtasten, die Nachts
nur fummelig zu bedienen sind. Der formschöne Handbremshebel wird von den obligatorischen
Cupholdern, die unsere heiß dampfenden Kaffeebecher sicher aufnehmen, flankiert. Die
zahlreichen Ablagemöglichkeiten durchziehen den gesamten Wagen und lassen so das Interieur
ordentlich und aufgeräumt wirken. Versteckte Geheimfächer nehmen Dinge auf, die nicht
für jedermanns Blick bestimmt sind. Der doppelte Boden im großzügigen, 465 Liter fassenden
Kofferraum besitzt weitere Fächer für allerlei Reiseutensilien wie beispielsweise unsere
matschverschmierten Gummistiefel oder ein Sixpack Bier für den Feierabend. Obwohl das
besser in einer Kühlbox untergebracht wäre, für die es drei 12V-Anschlüsse vorne, hinten
und im Gepäckabteil gibt.
Die Fondpassagiere freuen sich über in der Neigung verstellbare Rückenlehnen und großzügig
bemessenen Fußraum. Alternativ läßt sich das Gestühl mit einem Handgriff umklappen
und in eine ebene Ladefläche verwandeln, der Chevy schluckt dann bis zu 930 Liter Gepäck.
Vorsicht ist jedoch beim Beladen geboten, denn die Kofferraumklappe öffnet sich für
groß gewachsene Personen nicht weit genug nach oben so daß wir uns hier mehrfach den
Kopf angeschlagen haben. Optional ist eine dritte Sitzreihe erhältlich, die auf längeren
Fahrten aber nur für Kinder zu empfehlen ist. Das dann das nutzbare Kofferraumvolumen
gegen Null geht, bedarf keiner weiteren Erklärung.
Optional dritte Sitzreihe
Auf kurvigen Schweizer Gebirgsstraßen verhält sich das schwere Fahrzeug mit dem hohen
Schwerpunkt fühlbar unwohler als auf langen Geraden. Eine allzu flotte Fahrweise führt
dabei zu deutlichem Wanken und zu einer leichten Tendenz zum Untersteuern. Als elektronischer
Schutzengel wacht serienmäßig ein ESP-System darüber, daß der Captiva immer dahin fährt,
wohin ihn der Fahrer lenkt. Innenbelüftete Scheibenbremsen an allen Rädern und ein
modernes ABS-System verhindern jedoch kritische Situationen bereits im Ansatz.
Im hektischen Stadtverkehr von Paris kommt einem die hohe Sitzposition zugute. Obwohl
die Karosserie des Chevrolet im Windkanal abgerundet wurde, behält man einen guten
Überblick, zu der die großen Außenspiegel ihren Teil beitragen. Der große Wendekreis
und die fehlende Einparkhilfe des Testwagens machen Rangiermanöver allerdings abenteuerlich.
Ein wenig abenteuerlich ist auch der Testverbrauch, im Schnitt genehmigte sich der
Captiva 11,1 Liter auf 100 km, was in erster Linie auf den durchzugsschwachen Motor
zurückzuführen ist, der mit dem Gaspedal bei Laune gehalten werden will.
Wenig sparsam geht der Chevy allerdings auch mit der Serienausstattung um. Schon beim
Basismodell LS zählen unter anderem elektrische Fensterheber rundum, Zentralverriegelung
mit Fernbedienung, Scheibenwischer mit geschwindigkeitsabhängiger Intervall-Schaltung,
separat zu öffnende Heckscheibe, Dachreling sowie eine hochwertige Audioanlage mit
sechs Lautsprechern, RDS-Radio und CD-Spieler mit MP3-Funktion zu den Annehmlichkeiten.
Fazit
Mit dem Captiva ist Chevrolet ein guter Wurf gelungen. Das moderne und formschöne Soft-SUV
eignet sich hervorragend für längere Touren mit Familie und reichlich Gepäck. Wer auf
Allrad und Offroad verzichten kann bekommt ab 22.490 Euro ein ordentlich ausgestattetes
Fahrzeug mit guten Fahreigenschaften. Unsere Empfehlung ist die 2.0 Dieselversion mit
110 kw/150 PS, die allerdings 6.100 Euro Aufpreis kostet.
Technische Daten
(Werksangaben)
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
Vierzylinder-Reihenmotor |
|
Hubraum [cm3] |
2.405 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
100/136 bei
5.000 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
220 bei 2.200 |
|
Antrieb |
Frontantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4.635 x 1.850
x 1.755 |
|
Radstand [mm] |
2.705 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
1.730 |
|
Kofferraum
[L] |
465
930 |
|
Tankinhalt
[L] |
65 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
185 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
11,5 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
8,9 Super 95
|
|
Grundpreis
[Euro] |
22.490 |
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Fotos: Achmad Setiawan


















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