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Unendlich
viele Gänge
Audi A4 2.4 Multitronic
Automatik fahren ist In. Was früher ein
Privileg der Oberklasse und eher mit einem Spießer-Image behaftet war, ist längst salonfähig
geworden und hat Einzug in alle Klassen gehalten. Ärgerlich ist dabei allerdings, das
der erhöhte Komfort mit Einbußen an Dynamik und Wirtschaftlichkeit verbunden ist. Mit
der multitronic bietet Audi
erstmals ein Automatik-Getriebe an, das den Spagat zwischen Spontaneität und Ökonomie
sowie hohem Fahrkomfort schlägt. Wie sich das ungewöhnliche Getriebe mit seinen unendlich
vielen Gängen in der Praxis bewährt, klärt unser Fahrbericht.
Der erste Eindruck ist bekanntlich der wichtigste und bereits hier kann der A4 punkten.
Die Limousine, die seit November 2000 auf dem Markt ist, gefällt noch immer durch ihr
klares und modernes Design. Feine Details wie die Klarglasscheinwerfer betören die
Augen und sind nicht nur beeindruckend durch ihre Optik sondern auch durch ihre hohe
Lichtausbeute. Das knackige Heck scheint vor Kraft nur so zu strotzen, was von der
doppelflutigen Auspuffanlage wirkungsvoll unterstrichen wird und so für einen Hauch
Verruchtheit sorgt. Und genau den wünschen sich Audi-Fahrer, sind sie doch aus der
Rolle des Biedermanns längst herausgeschlüpft. Keine Frage, mit dem A4 zeigen die Ingolstädter
progressives Design vom Feinsten.
Getoppt wird das Ganze von fortschrittlicher Technik wie der genialen multitronic,
die hohe Motorleistungen gänzlich ohne Schaltrucke umsetzt und dem Marken-Slogan "Vorsprung
durch Technik" voll und ganz gerecht wird. Mit dieser revolutionären stufenlosen
Automatik wird der wirtschaftlichste Bereich des Motors nicht durch verschiedene Übersetzungen
sondern durch eine Laschenkette angesprochen, die unendlich viele Übersetzungen simulieren
kann. Herkömmliche Schaltstufen gibt es nicht mehr, doch das daraus resultierende ruckfreie
und kraftvolle Beschleunigen ist zunächst ungewohnt durch das atypische Geräuschverhalten
des Motors. Da Beschleunigungsvorgänge dank des stufenlosen Getriebes nicht wie gewohnt
ein analoges Ansteigen der Drehzahl zur Folge haben, fühle ich mich langsamer, als
ich tatsächlich bin. Das Fahren nach Gehör ist in der Umgewöhnungsphase schlichtweg
nicht mehr möglich, der Blick auf den Tacho notwendiger denn je.
Normale CVT-Getriebe (Continous Variable Transmission, zu deutsch: stufenloses variables
Getriebe) gibt es schon seit vielen Jahren, man denke da nur an den legendären DAF
66 mit seiner Variomatic, der im Jahre 1958 der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde.
Auf dem Grundkonzept der Variomatic basieren noch heute die modernen CVT-Getriebe,
doch damit hat Audi's multitronic nicht mehr viel gemeinsam. Stufenlos arbeitende Umschlingungsgetriebe
waren bislang nur als preiswerte, kompakte und leichte Alternative zum herkömmlichen
Automatik-Getriebe und hauptsächlich in schwach motorisierten Kleinwagen zu finden.
Audi ist es als erster Hersteller gelungen, Drehmomente von bis zu 310 Newtonmetern
problemlos zu übertragen. Die Funktionsweise: Eine kraftübertragende Stahl-Laschenkette
(Zugkette) läuft im Ölbad zwischen zwei variablen Kegelscheibenpaaren und ermöglicht
eine stufenlose Übersetzung. Der Motor kann so immer im ökonomischsten Drehzahlbereich
arbeiten. Aus diesem Grund sorgt die multitronic für einen geringeren Kraftstoffverbrauch
als vergleichbare Automatikgetriebe.
Die Vorteile dieser Getriebeart sind immer noch die gleichen wie damals. Dazu zählen
kompakte Bauweise, niedriges Gewicht, im Vergleich zum konventionellen Automatik-Getriebe
niedrige Kosten und natürlich das fließende, völlig ruckfreie Variieren der Übersetzung,
das - wie bei den anderen Getriebearten auch - elektronisch gesteuert wird. Vorteile
gibt es außerdem beim Anhängerbetrieb, da über den gesamten Drehzahlbereich hohes Drehmoment
zur Verfügung steht. Der Kraftstoffverbrauch sinkt bauartbedingt - auch wegen des niedrigen
Getriebegewichts. Ein manueller Eingriff wie beim 5-stufigen tiptronic-Getriebe ist
möglich, wobei dann sechs simulierte Fahrstufen geschaltet werden können. Im Automatikbetrieb
der multitronic berechnet das Dynamische Regelprogramm (DRP) lastabhängig und optimal
auf Fahrer und Fahrsituation abgestimmt die Übersetzung.
In Verbindung mit dem kleinen 2.4-Liter V6-Motor, der 125 kW/170 PS leistet, kann die
multitronic ihre Vorzüge auch aufgrund des hohen Drehmomentniveaus von 230 Nm bei 3.200
U/min ausspielen. Der Sechszylinder stellt seine Leistung prompt zur Verfügung und
zieht problemlos die Wurst vom Brot. Einzig die Laufkultur und das Geräuschniveau lassen
Raum für Verbesserungen, denn im Vergleich zur Konkurrenz läuft uns der Audi etwas
zu brummig. Die damit erzielbaren Fahrleistungen erfüllen wiederum die Erwartungen,
immerhin rennt der A4 222 km/h schnell und erledigt den Normsprint auf 100 in 8,9 Sekunden.
Auch der Fahrkomfort bewegt sich auf hohem Niveau, nicht zuletzt dank der multitronic.
Auf unserer Test-Rüttelstrecke in Frankfurt am Main - der Mörfelder Landstraße - machte
der Audi einen ausgeglichenen und grundsoliden Eindruck.
Die Sitze des Testwagens sind vor allem aufgrund der zahlreichen elektrischen Verstellmöglichkeiten
sehr bequem und lassen lange Strecken nicht zu einer Rückentortur verkommen. Audis
Mittelklasse machte sich schnell als komfortable Reiselimousine bei der Testcrew beliebt,
auch aufgrund des großen Kofferraumes, der über eine Durchlademöglichkeit bei umgeklappter
Rückbank verfügt. Die Bedienung des A4 läßt keine Wünsche offen, obwohl die vielen
Knöpfe und Schalter bei Vollausstattung auf den ersten Eindruck verwirrend sind. Gewöhnungsbedürftig
war jedoch der aufpreispflichtige Tempomat, der in "Griffmitte" vom Lenkrad
liegt und mehrfach mit dem weiter oben angebrachten Blinkerhebel verwechselt wurde.
Audi's Spürsinn für Feinheiten finden sich in besagtem Blinkerhebel wieder. Tippt man
ihn einmal kurz an, wird automatisch drei mal der Blinker betätigt. Das macht Sinn
und ist praktisch.
Alles in allem ist der Audi A4 ein ausgereiftes und hochwertiges Fahrzeug, bei dem
das multitronic Automatikgetriebe einen beachtlichen Beitrag zum hohen Fahrkomfort
leistet. Doch auch ohne diese revolutionäre Übertragungsart ist der A4 eine dynamische
und ökonomische Mittelklasse-Limousine mit großen Sicherheitsreserven, die viel Fahrspaß
bereitet. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings die Preispolitik der Ingolstädter. Mit
31.000 Euro ist der A4 2.4 multitronic gewiß kein Sonderangebot, die beachtliche Vielfalt
an Sonderausstattungsmöglichkeiten treibt den Preis mühelos auf über 40.000 Euro (Testwagenpreis:
40.590 Euro) und somit in den Bereich der privilegierten Oberklasse. Die Automatik
gibt's dabei gratis mit dazu. (dio)
Technische Daten:
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Motorbauart/Zylinderanzahl |
V6-Zylinder |
|
Hubraum [cm3] |
2393 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
125 (170) bei
6.000 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
230 bei 3.200 |
|
Antrieb |
Frontantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4.548 x 1.772
x 1.428 |
|
Radstand [mm] |
2.650 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
1.475 / 550 |
|
Kofferraum
[L] |
445 |
|
Tankinhalt
[L] |
70 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
222 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
8,9 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
9,4 Super 95 |
|
Grundpreis
[Euro] |
31.000 |
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Fotos: A. Setiawan
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Fotos: A. Setiawan










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