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Langstreckenvernichter
BMW 740d
Trendiger Van oder klassische
Limousine? Wer mit fünf Erwachsenen auf große Urlaubsfahrt gehen will, wird an einem
Großraumfahrzeug kaum vorbei kommen, so der einhellige Volksmund. Wir wollten wissen
ob die bewährte Gattung der Limousinen bei voller Besetzung noch Chancen gegen neumodische
Van-Raumwunder hat und nahmen uns den BMW 740d vor. Entgegen dem Geiz ist geil
Trend scheuchten wir den kraftvollen und luxuriösen Siebener quer über italienische
Alpenpässe, getreu dem Motto nicht kleckern sondern klotzen.
Ein Riesen Schiff schießt es mir spontan durch den Kopf, als der Siebener endlich auf
dem Hof steht. 5,03 Meter Länge und 1,90 Meter Breite lassen die silberfarbene Limousine
imposant und repräsentativ erscheinen. Eine einwöchige Reise zu verschiedenen Alpenpässen
ist geplant, doch das Gepäck meiner vier Mitfahrer ist mit Besitztum für mindestens
die dreifache Zeit vollgestopft Daunenjacken, Regenschirme und Wanderschuhe
nicht eingerechnet. Plötzlich kommt mir der BMW gar nicht mehr so riesig vor und ich wünsche mir sehnlichst einen Kleinbus
herbei. Warum bauen die Bayern eigentlich keinen Touring vom Siebener? Bei unserem
Testwagen sorgt der automatisch öffnende und schließende Kofferraumdeckel für das besondere
Flair des Nichts-Tun-Müssen. Glücklicherweise nimmt der 500 Liter große Kofferraum
unser Gepäck mühelos auf und das ist auch gut so, denn umklappbare Rücksitzlehnen die
bei vielen Mittelklasselimousinen Standard sind- gibt es weder für Geld noch für gute
Worte, bestenfalls ein Skisack ist zu haben.
Aha-Erlebnis beim Türen schließen
Beim Einsteigen fällt uns ein Phänomen auf, das die meisten Autofahrer kennen dürften:
Die Autotüren rasten beim Öffnen nur in bestimmten Stellungen ein, und zwar in denen,
die auf dem Supermarktparkplatz entweder zu groß (Nachbar steht zu nahe) oder zu klein
sind (man kommt nicht raus). Die Türen beim 7er bleiben hingegen völlig stufenlos stehen.
Erreicht wird das über eine stufenlose Türbremse, die keine vorgegebenen Rastpunkte
mehr hat und erkennt, wenn man die Türen stehen lässt und sie dann in dieser Stellung
leicht fixiert. Für ein weiteres Aha-Erlebnis sorgt eine Funktion namens Soft-Close-Automatic.
Damit genügt es dann, die Türe nur anzulehnen und der letzte Zentimeter zieht sich
sanft von selbst zu. Das hört sich dekadent und überflüssig an (ist es vielleicht auch),
aber man gewöhnt sich sehr schnell daran (langsam glaube ich, der Mensch ist DOCH für
den Luxus geboren).
Im Innenraum findet unzähliger Kleinkram sowie Proviant und Getränke mühelos Platz
in einem der zahlreichen Ablagefächer. Besonders die praktische große Kühlbox zwischen
den Vordersitzen, deren lederbezogener Deckel auch als bequeme Armstütze dient, hat
sich als Vorratskammer für Sandwichs, Schokolade und Obst bestens bewährt. Platz bietet
der BMW in Hülle und Fülle, auch im Fond genießen drei Erwachsene noch ausreichend
Ellenbogenfreiheit und stoßen mit dem Haupt nicht ans Dach. Selbst bei weit nach hinten
geschobenen Vordersitzen ist noch genügend Knieraum für die Hinterbänkler vorhanden,
was bei so manchem Van durchaus keine Selbstverständlichkeit ist. Abstriche müssen
allenfalls in der Variabilität gemacht werden, hier ist das Großraumkonzept eindeutig
im Vorteil.
Motoren massieren den Allerwertesten
Immerhin lassen die (aufpreispflichtigen) high-tech Multifunktions-Komfortsitze aufgrund
ihrer Vielzahl an Verstellmöglichkeiten und Zusatzausstattungen wie aktiver Sitzbelüftung,
Heizung, Sitzmassage und bandscheiben-schonender Aktivsitz-Funktion keine Wünsche offen.
Unverständlich ist die Anordnung der Verstelltasten an der Seite der Mittelarmlehne,
die direkten Blickkontakt für einen kontrollierten Tastendruck erfordern. Unerlässlich
ist das sorgfältige Studium der umfangreichen Betriebsanleitung vor der ersten Ausfahrt
mit dem Siebener, denn die zahlreichen Features erfordern eine komplexe Bedienung und
sorgen Anfangs für einige Verwirrungen. Das polarisierende Bedienkonzept iDrive bündelt
die wichtigsten Funktionen für Klima, Entertainment, Navigation sowie Telefon und ist
selbsterklärend. Wer mit einem PC umgehen kann begreift es rasch nach ein paar Versuchen
und bedient dank der fühlbaren Sensorik des Dreh-/Drückknopfes fast alles blind. Der
rechte Arm ruht dabei entspannt auf der breiten Mittelarmlehne während die Hand wie
von selbst den massiven Controller bedient. Das Display sitzt unter einer separaten
Hutze auf dem Instrumentenbrett und damit im direkten Blickfeld des Fahrers.
Sex and the City gegen Aufpreis
Wer gegen Aufpreis den TV-Tuner mitbestellt braucht sich keine Sorgen zu machen, wenn
bei später Heimkehr die eben noch nette Beifahrerin plötzlich rumzickt, weil sie mal
wieder Sex and the City verpasst. Dann kommen im Stopp-and-go-Verkehr spontane
Kommentare vom Nebensitz wie "kannst Du nicht mal zwei Minuten stehen bleiben?
Ich würde das gerne mal am Stück sehen!". Was sehen? Was redet die da? Achso,
der Effekt ist einfach: Fernsehen gibt es vorne nur im Stand, ab Schrittgeschwindigkeit
wird das Bild einfach abgedreht. Das gegen eine satte Aufzahlung von 1.250 Euro erhältliche
HiFi-System Professional LOGIC7 erlaubt ein Klangerlebnis allerhöchster Intensität.
Neun Endstufen mit 420 Watt Leistung und 13 Lautsprecher sorgen für räumlich perfekten
Klang. Wer darüber hinaus noch weitere 1.000 Euro in einen DVD-Wechsler investiert,
kann sich künftig das Kino sparen.
Zu hören gibt es vom Auto selbst nur wenig, bei über 200 km/h lässt es sich ohne die
Stimme zu erheben normal reden. Lediglich beim Kaltstart neigt der Selbstzünder, der
per Knopfdruck ohne Vorglühen angelassen wird, zu einem leichten Nageln. Tief und satt
dringt ein sonores Grollen aus dem Motorraum und suggeriert Kraft im Überfluss. Die
hat der 740d auch, seine Achtzylinder entwickeln aus 3.9 Liter Hubraum 190 kW/258 PS.
Der Motor hängt am Gas(fuß) wie ein hungriger Säugling an der Flasche
Mit dem gigantischen Drehmoment von 600 Nm bei nur 1.900 U/min sind Überholmanöver
aus allen erdenklichen Drehzahlbereichen möglich. Und dies bei Verbrauchswerten, die
vor Jahren noch undenkbar waren. Bullig wie ein Schiffsdiesel setzt sich der BMW in
Bewegung, jedoch nie krawallartig. Die spontane Leistungsabgabe beeindruckt auch nach
vielen Kilometern noch immer und wer denkt, der 730d wäre das Nonplusultra kennt den
740d noch nicht. Obwohl der Siebener ein sehr fahraktives Auto ist spürt man bei voller
Beladung in den engen Serpentinen des Stilfser Jochs die Massenträgheit von 2,5 Tonnen.
Wer öfters auf kurvenreichen Straßen unterwegs ist, für den empfiehlt sich die Sonderausstattung
Dynamic Drive. Dahinter verbirgt sich ein Wank- und Neige-Ausgleich. Innerhalb
von Millisekunden korrigiert das Fahrwerk die normalen Aufbaubewegungen, sowohl in
der Querachse (bei Kurvenfahrt) als auch in der Längsachse (beim Anfahren und Bremsen).
Der Effekt: Das Auto liegt immer satt auf der Straße. Beim Einlenken in die unzähligen
Spitzkehren drückt das schwere Dickschiff gehörig nach außen, doch dank dem aktiven
Fahrwerkssystem wird das Fahrzeug wie von Zauberhand stabilisiert. Auch beim starken
Abbremsen nickt der Wagen nicht ein und sorgt so für einen überragenden Fahrkomfort.
Die großdimensionierten Bremsscheiben können im Falle eines Falles giftig zupacken,
sind jedoch stets feindosierbar. Auch nach mehrfachem Abbremsen am Pass verloren die
Bremsen nichts von Ihrer Kraft.
Die serienmäßige Sechsstufenautomatik ist optimal auf den starken Dieselantrieb abgestimmt,
Gangwechsel sind hier nur noch am Drehzahlmesser zu bemerken - zu spüren oder hören
ist davon nichts mehr. Dank der Shift-by-wire Technologie kann die Schaltung am Lenkrad
bedient werden. Im Steptronic-Mode können Schaltbefehle blitzschnell und ohne die Hände
vom Lenkrad zu nehmen über Tipptasten am Lenkradkranz erteilt werden.
Extras so teuer wie ein BMW 325i
Beim Thema Ökonomie hinterlässt der BMW 740d jedoch einen zwiespältigen Eindruck, denn
der hohe Einstandspreis von 77.200 Euro liegt für die meisten in einer anderen Welt.
Alleine die Sonderausstattung unseres Testwagens kostete über 31.500 Euro und damit
soviel wie ein BMW 325i. Vom Wertverlust der Luxuslimousine ganz zu schweigen. Bedauernswert
ist die Sturheit der deutschen Automobilindustrie, einen Russpartikelfilter weder für
Geld noch gute Worte anzubieten und über die EU3-Emissionseinstufung des Achtzylinder
Diesels freut sich bestenfalls das Finanzamt. Gutes ist hingegen über den Kraftstoffkonsum
zu berichten. Trotz häufiger Ausnutzung der exzellenten Fahrleistungen erreichten wir
einen Testverbrauch von durchschnittlich nur 11,2 Liter/100 km.
Fazit:
Der 7er braucht sich als Urlaubswagen für fünf Erwachsene hinter keinem Van zu verstecken.
Platz gibt es in Hülle und Fülle, der großzügige Kofferraum und die zahlreichen Ablagefächer
nehmen sämtliche Reiseutensilien auf. Was dem 740d im Vergleich zum Großraumvan an
Platz fehlt, bringt er dafür an Prestige und luxuriöser Ausstattung mit. Viele Extras
gibt es noch immer ausschließlich in der Luxusklasse. Der BMW 740d ist für Langstrecken
geradezu prädestiniert und ermöglicht hervorragende Fahrleistungen bei niedrigem Verbrauch.
Toppen würde den Langstreckenvernichter nur noch ein 740d Touring. (dio)
Technische Daten:
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
V8 Common-Rail
Turbodiesel |
|
Hubraum [cm3] |
3.901 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
190/258 bei
4.000 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
600 bei 1.900
bis 2.500 |
|
Antrieb |
Heckantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
5.029 x 1.902
x 1.492 |
|
Radstand [mm] |
2.990 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
2.090 / 580 |
|
Kofferraum
[L] |
500 |
|
Tankinhalt
[L] |
88 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
250 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
7,4 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
9,7 l Diesel |
|
Grundpreis
[Euro] |
77.200 (Testwagen:
108.760) |
BMW bei www.automobilrevue.de:
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Weitere Informationen zu BMW
finden Sie unter www.bmw.de |
Fotos: Achmad Setiawan




















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