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Bayerischer
Triathlet
BMW X5 4.4i
Mit der Einführung des BMW X5 landete BMW 1999 einen Volltreffer. Mehr als 100.000
verkaufte Einheiten im Jahre 2002 zeugen vom grandiosen Erfolg des im amerikanischen
Spartanburg gebauten Bayern. Wir wollten wissen worin dieser Erfolg begründet liegt
und fuhren mit dem X5 4.4i quer durch die Republik.
Das Konzept ist schlüssig: Platz, Prestige, Preis und von allem reichlich. Keine
Frage, wer BMW fährt ist wer
wer X5 fährt erst recht. Ein kleines Typenschild hinter dem vorderen Radlauf und eine
vierflutige Auspuffanlage signalisieren, ob ein Sechs- oder Achtzylinder unter der
Haube steckt. Im Falle des Testwagens hieß es nicht kleckern sondern klotzen und wir
griffen gleich zum prestigeträchtigen Viereinhalbliter, der nur noch vom exklusiven
4.6is mit 255 kW/347 PS übertroffen wird. Schon der Sound beim leichten Gasgeben aus
dem Standgas heraus kitzelt die Ohren und lässt keine Zweifel daran, das hier ein Big-Block
seine Arbeit verrichtet. Ein sattes Brabbeln verknüpft mit bösem Fauchen lässt erahnen,
das der X5 eine Powermaschine besitzt die es zu bändigen gilt.
Seine erste Bewährungsprobe, die der X5 meistern sollte, war Businesstauglichkeit unter
Beweis zu stellen. Die Aufgabe: Unter Termindruck die Strecke München Frankfurt
möglichst schnell aber trotzdem entspannend zu absolvieren. Ein Widerspruch für den
Alleskönner? Keineswegs, denn mit seinen 210 kW/286 PS ist der BMW hierfür geradezu
prädestiniert. Also Aktenkoffer im Laderaum mit den praktischen Spanngurten verzurrt,
(einfach genial, da hat jemand nachgedacht) die Navigation geschwind noch programmiert
und ab aufs Gas. Die ersten Kilometer verlaufen zäh mit 80-100 km/h und auf der Ziel-Distanzanzeige
der Navi ändert sich nur wenig, während die vom Bordcomputer errechnete Ankunftszeit
im Fünfminutentakt nach oben korrigiert wird.
Doch dann platzt der Knoten irgendwann, drei freie Spuren, kein Tempolimit kickdown.
Bis 160 km/h alles kein Problem, doch darüber stören schrille Windgeräusche die bis
dato angenehme Akustik erheblich. Naja kein Wunder wenn man bedenkt, das BMWs
X5 die Aerodynamik einer Wohnzimmerschrankwand besitzt. Also Radio an, das zuvor mit
6 CDs gefüttert wurde und Druck aufs rechte Pedal. Ab Tempo 200 gehts dann
etwas weniger vehement zur Sache doch die 230er Marke knacke ich doch noch. Ein Wettlauf
mit dem Bordcomputer entbrennt und ich kämpfe stolz um jede Minute, die ich der theoretischen
Ankunftszeit abknöpfen kann. BMW Fahrer sind Sieger ich will auch einer sein!
Gut das der Wagen Klimaautomatik hat, denn die harte Arbeit am Volant ist zumindest
im Hochgeschwindigkeitsbereich schweißtreibend. Und Ränder unterm Businesshemd gibt
Punktabzug. Die großen 19-Zöller in Kombination mit dem Sportfahrwerk sehen nicht nur
prächtig aus, sie laufen auch jeder Spurrinne hinterher wie das balzende Taubenmännchen
seinem auserkorenen Weibchen. Die wenigen Stöße, die das gut abgestimmte, luftgefederte
Fahrwerk weitergibt, werden von der Massagefunktion meines Sitzes kompensiert.
Der hohe Aufbau des X5 scheint respekteinflößend zu sein, denn die linke Spur wird
bereitwillig geräumt wenn sich die Silhouette des SAV im Rückspiegel nähert. Während
ich mich als vermeintlicher Gewinner im Kampf um die Ankunftszeit wähne, trifft mich
beim Blick auf die Benzinuhr fast der Schlag. Der Zeiger klebt mahnend auf Viertel
und der Bordrechner zeigt bereits eine nicht aufholbare Differenz zwischen Zielentfernung
und Reichweite an. So nah den Sieg vor Augen so fern die nächste Tanke schmählich
räume ich die linke Spur und lasse mich von den zuvor eroberten Autos wieder überrunden,
Verzeihung überholen. Den rettenden Boxenstop erreicht bin ich vom enormen Fassungsvermögen
des Tanks (93 Liter) überrascht und eh ich mich versehe um 100 Euro ärmer. Business
Class hat ihren Preis schießt es mir durch den Kopf und ich setze meine Fahrt nach
Frankfurt fort. Nach insgesamt 3 Stunden ist die 400 km lange Strecke absolviert und
ich steige entspannt aus.
Die nächste Testdisziplin heißt Familientauglichkeit. Bereits beim verstauen des Wochenendgepäcks
zeigt sich der X5 von seiner angenehmen Seite. Der Kofferraum ist mit 465 Litern ausreichend
groß bemessen und die separat zu öffnende Heckklappe erlaubt das rasche Einladen von
leichteren Gegenständen, ohne jedesmal die schwere Klappe aufmachen zu müssen. Störend
ist hingegen die hohe Ladekante, doch damit müssen SAV-Fahrer bauartbedingt leben.
Kind und Kegel sind an Bord, die Reise kann losgehen. Das großzügige Platzangebot macht
den BMW zum idealen Reisebegleiter für all diejenigen, die ihren halben Hausrat mit
auf die Reise zu nehmen gedenken. Unsere Testfamilie lies sich allerdings dazu hinreißen,
neben Kinderwagen, Spielzeug für die Kleinen und dem Urlaubsgepäck auch noch zwei prall
gefüllte Körbe samt Campingstühle für das Picknick zwischendurch einzupacken, wobei
dann praktischerweise der untere Teil der Heckklappe als (mit bis zu 200 kg belastbarer)
Tisch dienen kann, doch auch diese Herausforderung meisterte der X5 lässig.
Gibt es einmal viel zu transportieren, wird der BMW durch umlegen der teilbaren Rückbank
zum Großraumlaster. Bis zu 1.550 Liter bei einer maximalen Zuladung von 580 kg befriedigen
fast jeden Wunsch. Wem dies immer noch nicht reicht, dem dient der Wagen dank der hohen
Anhängelast von 2,3 Tonnen auch als erstklassiges Zugfahrzeug. Darf es einmal etwas
weniger sein, schützt das serienmäßige Rollo den sensiblen Kofferrauminhalt vor allzu
neugierigen Blicken. Die vielen verschließbaren Ablagen im Innenraum helfen, den alltäglichen
Bedarf an Kleinkram aufzunehmen. Das sportliche Interieur des Testwagens mit Dekorleisten
in Titansilber-Lack an Lenkrad, Armaturenbrett, Mittelkonsole und Türen läßt den X5
modern und schlicht wirken. In Verbindung mit grauen Ledersitzen und dunkelgrauer Außenlackierung
wirkt der BMW ziemlich cool, was einigen Testkollegen jedoch nicht unbedingt behagte.
Doch bleibt dies der Wahl jedes einzelnen überlassen, den Wagen in gediegener Holzausstattung
und wärmeren Polsterfarben zu ordern.
Als letzte Testdisziplin wagten wir uns in leichtes Gelände, was aber einiges an Überwindung
kostete, da der BMW hierfür fast zu schade ist. Auf den obligatorischen Off-Road-Testparcour
an der nahegelegenen Kiesgrube verzichteten wir daher und begnügten uns mit einigen
Ausflügen abseits befestigter Straßen. Der permanente Allradantrieb mit einer Kraftverteilung
von 38% auf die Vorderachse und 62% zur Hinterachse ebnet zusammen mit der hohen Bodenfreiheit
von 20 cm den Weg durch Schlamm und Matsch. Doch sind die schicken 19-Zoll-Felgen,
die im optionalen Sportpaket (3.200 Euro) enthalten sind, hierfür gänzlich ungeeignet,
da das Felgendesign in Verbindung mit dem niedrigen Reifenquerschnitt leicht Schmutz
und Kieselsteinchen aufnimmt.
Große Böschungswinkel von 28 Grad vorn und 22,5 Grad hinten schützen die Karosserie
auch bei etwas heftigerem bergauf und bergab fahren, der Rampenwinkel von 16 Grad bewahrt
vor groben Bodenwellen. Mit der serienmäßigen Bergabfahr-Kontrolle HDC (Hill Descent
Control) für steileres Gelände ist auch bei rutschigen Abhängen ein sicheres fahren
möglich, ohne das der Fahrer eingreifen muß. Der X5 fährt dann bei aktivierter HDC
in Schritttempo vorwärts.
Doch ein echter Geländewagen kann und will der X5 gar nicht sein, BMW bezeichnet ihn
daher auch als SAV Sports Activity Vehicle, der seine besten Eigenschaften auf
asphaltierten Straßen ausspielen kann. Die hohe Sitzposition in Verbindung mit dem
außerordentlichen Komfort machen ihn zum idealen Reisegefährt mit überdurchschnittlichem
Platzangebot für Familie und Gepäck. Der starke Achtzylinder sorgt für großen Fahrspaß
aber auch für hohe Kosten. Sein Konsum an teurem Super Plus reist ein dickes Loch in
die Haushaltskasse. Auch der Anschaffungspreis von 65.700 Euro stellt kein Sonderangebot
dar und läßt sich aufgrund der üppigen Sonderausstattungsliste leicht auf über 80.000
Euro hochtreiben. Doch Freude am Fahren war bekanntlich noch nie ein billiges Vergnügen.
Anfang 2004 wird BMW die X-Familie um ein zweites Modell, den BMW X3, ergänzen, der
auf der IAA im September Premiere feiern wird und die Lücke zwischen 330iX Touring und X5 schließt. (dio)
Technische Daten: (Werksangaben)
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
V8-Zylinder |
|
Hubraum [cm3] |
4.398 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
210 (286) bei
5.400 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
440 bei 3.600 |
|
Antrieb |
Permanenter
Allradantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4.667 x 1.872
x 1.706 |
|
Radstand [mm] |
2.820 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
2.180 / 580 |
|
Kofferraum
[L] |
465
1.550 |
|
Tankinhalt
[L] |
93 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
230 (ohne Sportpaket:
206) |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
7,5 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
13,9 Super
98 ROZ |
|
Grundpreis
[Euro] |
65.700,- |
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Fotos: A. Setiawan
















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