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Herr der inneren Werte
Die obere Mittelklasse wird in Deutschland von den Platzhirschen Audi, BMW und Mercedes-Benz belegt. Das es dazu aber noch andere attraktive Alternativen gibt zeigt unser Fahrbericht über Citroen's Topmodell C5 3.0 V6 Automatik.

Zugegeben, der C5 ist nicht unbedingt ein Hingucker und der Nachbar-Neid-Faktor ist nicht besonders ausgeprägt. Sind die inneren Werte des großen Citroen's wirklich von so hohem Wert das man den in dieser Klasse nicht zu unterschätzenden Mangel an Prestige in Kauf nimmt? Um es vorweg zunehmen: Sie sind es.

Obwohl die Karosserie im Windkanal ein wenig rundgelutscht zu sein scheint und sich die Augen des Betrachters nur an den markanten Frontscheinwerfern festhalten können, offenbaren sich hier bereits die ersten Vorzüge der inneren Werte. Das Raumangebot erzielt Bestwerte, insbesondere die große Höhe von 1,48 m fällt uns positiv auf. Großgewachsene Fahrer haben keine Schwierigkeiten, eine bequeme Sitzposition zu finden und auch die Fondpassagiere sitzen dank des flachen Bodens sehr entspannt und genießen viel Beinfreiheit. Die mit feinstem Leder bezogenen Sitze sind vielfach elektrisch verstellbar und mit einer Lordosenstütze ausgerüstet. Das freut besonders die von Rückenschmerzen geplagten Testfahrer. Der Kofferraum ist durch die praktische große Heckklappe, die erst auf dem zweiten Blick als solche zu erkennen ist, leicht zu beladen und mit 456 Litern (1.310 Liter bei umgeklappter Sitzbank) reichlich bemessen. Ärgerlich ist aber, das bei Regen Wasser an den Seiten der geöffneten Klappe auf unser Gepäck platscht.

Beim ersten Betreten des Fahrzeuges stehen wir mit ungläubigem Staunen vor einem Sammelsurium an Lenkstockhebeln und Schaltern, deren Funktionen noch undurchsichtig erscheinen. Doch schon nach kurzer "Einarbeitungszeit" kommt so etwas wie Zuversicht auf und wir fragen uns, weshalb andere Autos mit nur zwei Lenkstockhebeln auskommen können. Neben den Standardfunktionen für Licht (Toll die Lichtautomatik, die bei Dunkelheit oder in Tunnels das Xenon-Fahrlicht selbsttätig ein- und ausschaltet), Blinker und Scheibenwischer besitzt der C5 noch zwei Satelliten für Geschwindigkeitsregelanlage und Stereoanlage, deren Bedienung locker und unsichtbar aus den Fingerkuppen herausgeht. Apropos Scheibenwischer: Auch hier haben die französischen Ingenieure eine Automatik eingebaut, die bei Regen wie von Geisterhand gesteuert die Wischer über die große Frontscheibe flitzen läßt und gegebenenfalls Fenster und Schiebedach automatisch schließt - selbstverständlich mit Einklemmschutz.

Zu den inneren Werten registrieren wir auch so kleine Aufmerksamkeiten wie das Einschalten der Warnblinkanlage bei starken Bremsmanövern oder das sich in Abhängigkeit von der Fahrgeschwindigkeit lauter oder leiser stellende Radio. Anlass zur Kritik bieten jedoch die kleinen fummeligen Knöpfchen zwischen den Sitzen zur Steuerung von Bordcomputer und GPS-Navigation sowie die Rädchen für die Sitzheizung, deren Einstellung nicht einzusehen ist, ohne den Blick dabei in leichtsinniger Weise vom Verkehrsgeschehen abzuwenden. Unverständlich sind auch die verbauten vorderen Gurtschlösser, die insbesondere bei heruntergeklappten Armlehnen nur schwer zu erreichen sind.

Für Vielfahrer empfehlenswert ist das optional erhältliche GPS- Navigationssystem (1.890 €), dessen 7" Farbbildschirm auf der Armaturenbrettmitte gut im Sichtfeld des Fahrers liegt und zur Kontrastoptimierung eine "Kapuze" übergestülpt bekam. Die Funktionen sind vielfältig und beinhalten neben einer detaillierten Kartendarstellung Bordcomputer, Radiosteuerung (CD-Wechsler im Handschuhfach) sowie Anschlußmöglichkeit für Videorecorder, DVD-Player oder Camcorder.

Wie schaut's mit den inneren Werten unter der Motorhaube des großen Franzosen aus? Toll ist der leistungsstarke Dreiliter-V6, der in jeder Situation souveräne Fahrmanöver erlaubt und dessen 209 Pferde (154 kW) bärenstark und überaus kultiviert auftreten. Selbst "kick-down"-Manöver werden nicht mit hohem Geräuschpegel bestraft. Die Vierstufen-Automatik schaltet ruckfrei und sanft durch die Gänge und bei Aktivierung des Sportprogramms hat der Wagen durch Erhöhung des Drehzahlniveaus deutlich mehr Biss. Auch die Fahrleistungen des 1,6 Tonners können sich sehen lassen: Null auf Tempo 100 schafft er in 9,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 232 km/h. Die vier Scheibenbremsen mit Bremsassistent und elektronischer Bremskraftverteilung (EBV) verzögern das Fahrzeug sehr gut, ohne das dabei ein schwammiges Gefühl aufkommt.

Höhepunkt des Fahrvergnügens ist jedoch zweifellos das Hydractive 3 Fahrwerk, das seinesgleichen sucht. Sanft gleitet der große Citroen über alle sich ihm in den Weg stellenden Schlaglöcher, Bodenwellen und Querfugen hinweg. Es scheint, als würde die Limousine knapp über dem Asphalt schweben. Eine Besonderheit des Fahrwerks ist die automatische Regelung der Bodenfreiheit in Abhängigkeit der Geschwindigkeit, die durch die Absenkung des Schwerpunktes des Wagens nicht nur seine Straßenlage stabilisiert sondern auch den Cw-Wert reduziert. Per Wahlschalter auf der Konsole zwischen den Sitzen kann die Bodenfreiheit auch manuell verändert werden. Auf Feldwegen oder zum Ankuppeln eines Anhängers kann man so die Karosserie um bis zu 40 mm nach oben verstellen. Schade nur, dass auf holprigen Fahrbahnen die Kofferraumabdeckung die Insassen mit Quietsch- und Knarrgeräuschen nervt.

Das besondere innere Werte einen besonderen Preis haben macht sich spätestens an der Tankstelle bemerkbar. So konsumierte der C5 über eine Testdistanz von 2.500 km durchschnittlich 13,8 Liter Super auf 100 km. Das Auskosten der Fahrleistungen in Verbindung mit dem Automatikgetriebe fordern hier eben ihren Tribut. Relativ günstig ist dagegen der Anschaffungspreises von 31.450 €. Dafür bekommt man eine komplett ausgestattete Reiselimousine mit einem spritzigen Motor und herausragendem Fahrwerk. Auf den Eingangs erwähnten Mangel an Prestige pfeifen wir und lassen uns von den inneren Werten verwöhnen, denn die waren bekanntlich schon immer die bessere Wahl.
(dio)

Fotos: A. Setiawan

Citroen C5

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