|
Sebring
öffne Dich
Viersitzige Cabrios haben bei Chrysler
Tradition. Nach Le Baron in den Achtzigern und Stratus in den Neunzigern versuchen
die Amerikaner im neuen Jahrtausend mit dem Sebring den Markt der viersitzigen Cabriolets
neu aufzuteilen, der in erster Linie von Audi A4, BMW 3er und Mercedes-Benz CLK dominiert
wird. Ob dem Chrysler
sein ausdrucksstarkes Design und das größte Platzangebot seiner Klasse reichen,
klärt unser Fahrbericht.
Die Erwartungen an den Neuen sind hoch,
war doch sein Vorgänger Stratus Cabrio das meistverkaufte Cabrio der Welt und
fand auch in Deutschland viele Anhänger. Ein markantes Styling kombiniert mit
reichlich Platz, kompletter Ausstattung und einem erschwinglichen Preis lautete damals
die Rezeptur zum Erfolg. Auch das Sebring Cabrio kann mit diesen Attributen aufwarten.
Die erst nach 492 Zentimeter enden wollende Karosserie mit ausladenden Überhängen
vorn und hinten punktet bereits in der Frontansicht mit dem für Chrysler typischen
ovalen Kühlergrill, flankiert von zwei mächtigen runden Nebelscheinwerfern.
Doch darf als Schokoladenseite zweifelsohne die schmucke Seitenpartie bezeichnet werden,
die nach hinten leicht ansteigt. Hier zeigt sich das Sebring Cabrio in seiner vollen
Eleganz und Schönheit Amerika: ten points! Doch ist in engen Parklücken
Vorsicht geboten, da hier die breiten Türen den Zugang erschweren. Im Heckbereich
schließlich präsentieren die Designer abermals ihr kreatives Potenzial und
lassen die Karosse mit einer scharfen Abrisskante enden. Der gezielte Einsatz von Chrom
stellt schlussendlich das Tüpfelchen auf dem "i" dar.
Schade nur, das nach dem Öffnen des Verdecks zunächst eine etwas fummelige
Persenning anzubringen ist. Da kennt die Konkurrenz bessere Lösungen. Zum Öffnen
selbst ist kein großer Kraftakt notwendig. Per Tastendruck gleitet das schwarze
Stoffdach in rekordverdächtigen 10 Sekunden nach hinten in den Verdeckkasten,
der Showdown beim Ampelstop ist somit garantiert. Dabei fahren alle vier Seitenscheiben
in Türen und Seitenteile automatisch zurück. Auch das Schließen geht
rasch von der Hand, nach nur 12 Sekunden ist der Deckel wieder drauf. Die Konstellation
geschlossenes Dach mit geöffneten Seitenscheiben hat uns besonders überzeugt.
Da der Chrysler keine B-Säulen besitzt lässt es sich bei starker Sonneneinstrahlung
hervorragend fahren ohne Gefahr zu laufen, sich einen Zug oder einen Sonnenstich zu
holen.
Auch für schlechtes Wetter ist der Sebring gut gerüstet. Seine gläserne
Heckscheibe ist beheizbar und verkratzt nicht wie ein Kunststoff-Fenster, auch dient
sie der besseren Geräuschisolierung. Bei der Durchfahrt einer Waschstraße
blieb das Wasser draußen, selbst starker Platzregen lies keine Feuchtigkeit in
den luxuriösen Innenraum eindringen. Das wäre auch schade, erfreuen sich
die Insassen doch an feinem Ledergestühl und zahlreichen elektrischen Heinzelmännchen.
Die Serienausstattung umfasst u.a. neben einem Audiosystem mit Radio-CD-Kassettengerät
einen elektrisch verstellbaren Fahrersitz, vierfach elektrische Fensterheber, Klimaanlage,
16-Zoll-Leichtmetallräder, Teil- Lederausstattung, Tempomat sowie eine Zentralverriegelung
mit Fernbedienung.
Doch zielt das ganz in grau gehaltene Ambiente eher auf den US- amerikanischen Geschmack.
Der billig wirkende Plastik-Look und die hochglänzenden Walnussholzdekore erfüllen
so gar nicht die Erwartungen, die das schicke Exterieur verspricht. Einzig die im Retro-Design
gehaltenen Rundinstrumente versprühen einen Hauch Esprit. Auch bei der Funktionalität
gerät der Chrysler ins Hintertreffen gegenüber seinen Wettbewerbern. So versteckt
sich beispielsweise der Warnblinkschalter umständlich hinter dem Lenkrad und der
linke Lenkstockhebel ist mit Blinker, Licht, Fernlicht, Innenraumbeleuchtung und einem
Dimmer für die Instrumentenbeleuchtung hoffnungslos überfrachtet. Und weshalb
die Bedienung des Tempomaten ganze fünf Schalter im Multifunktionslenkrad in Anspruch
nimmt, ist uns nicht so recht klar geworden.
Im Alltag wissen die vielen Ablagen des großzügigen Innenraums zu gefallen
und nehmen nützliche Dinge wie Straßenkarten, CDs oder Getränkeflaschen
auf. Platz herrscht im Sebring in Hülle und Fülle selbst im geschlossenen
Zustand besteht kein Mangel an ausreichender Kopffreiheit. Und im Fond, der durch die
Integral- Vordersitze, die den kompletten Sicherheitsgurt-Mechanismus aufnehmen, gut
zugänglich ist, finden durchaus großgewachsene Personen genügend Knieraum.
Während bei vielen Cabrios üblicherweise das Dach während der Fahrt
in den Urlaub zugunsten eines erträglichen Kofferraumvolumens zu bleiben muss,
darf der Chrysler dank seines mit 320 Litern recht aufnahmefreudigen Kofferraums auch
mit zurück geklappten Verdeck auf große Reise gehen.
Die bei der 2.7-Liter-Version zum Serienumfang zählende 4- Stufenautomatik lässt
sich über eine Autostick-Funktion auch manuell betätigen. Ein leichtes Antippen
des Wählhebels nach rechts genügt zum Hochschalten, nach links schaltet man
herunter. In der Praxis verzichtet man jedoch schon nach kurzer Zeit auf diese Option
und überlässt der weich und präzise schaltenden Automatik die Arbeit.
Dabei passierte es unseren Testfahrern jedoch ab und zu, das versehentlich statt in
Stufe "D" in den Autostick-Modus geschaltet und die Drehzahl des Motors dadurch
unnötig hochgejagt wurde. Hier könnte eine leichte Rasterung für Abhilfe
sorgen.
Dessen ungeachtet passt die Automatik hervorragend zur Charakteristik des 2.7-Liters.
Mit 149 kW/203 PS leistet der Sechszylinder 40 PS mehr als der 2.5-Liter-V6 im Vorgänger
Stratus und gehört damit nicht gerade zu den leistungsschwachen Vertretern seiner
Zunft, doch ist sein Temperament eher ernüchternd. Klar ist der Chrysler mit rund
1,6 Tonnen träger Masse (ohne Fahrer) gewiss kein Leichtgewicht, doch Schuld an
der subjektiv empfundenen Beschleunigungs-Schwäche hat in hohem Maße die
lange Getriebeübersetzung was zur Folge hat, das bei Beschleunigungsmanövern
sehr oft Vollgas gegeben werden muss, was wiederum den Verbrauch in die Höhe treibt.
Wir ermittelten einen Testverbrauch von durchschnittlich 12,7 Litern Super 95.
Unter dem Strich stellt das Chrysler Sebring Cabriolet 2.7 LX ein ausgereiftes und
attraktives Angebot dar. Auf der Habenseite stehen die attraktive und geräumige
Karosserie, eine luxuriöse Komplettausstattung sowie der günstige Preis von
33.700 Euro (2.0 LX mit 104 kW/141 PS ab 28.500 Euro). Verbesserungen wären in
der Bedienungs-Funktionalität und in der Getriebeübersetzung wünschenswert.
Chrysler bei www.automobilrevue.de:
Chrysler Crossfire
Chrysler PT Cruiser
Limited
Chrysler Voyager |
Fotos: A. Setiawan











|