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Ein Fall fürs Feine

Der Ford Maverick tritt als kleinerer Bruder des Ford Explorers an, um für
Ford ein Stück vom Kuchen des wachsenden SUV-Marktes abzuschneiden. Wie gut das dem Spitzenmodell Limited V6 des Ford Maverick gelingt, hat www.automobilrevue.de in einem ausführlichen Test untersucht.

Die kraftvolle Front suggeriert ein bulliges Vorankommen im Rückspiegel des Vordermanns. Und tatsächlich überzeugt der Sechszylinder mit 3l Hubraum und 145 kW/197 PS auf der ganzen Linie. Gibt man unvorsichtigerweise zuviel Gas, sprintet der Maverick vehement los und verlangt im Stadtverkehr enorm nach Selbstdisziplin, wenn man seinen Führerschein behalten will. Ampelsprints erregen Aufmerksamkeit, die 200 Pferdestärken machen sich sofort bemerkbar und der Maverick geht ab wie von der Tarantel gestochen. Die 4 Gang-Automatik agiert weich und fast unmerklich in der Stadt. Auf der Autobahn jedoch schaltet sie zu schnell in den als Overdrive ausgelegten vierten Gang, was sich zwar spritsparend auswirkt, aber nur noch zum knappen mitrollen ausreicht. Braucht man Geschwindigkeit für einen Überholvorgang oder bei einer Steigung, muss man mit einem beherzten Tritt aufs Gaspedal den Schaltautomaten zwingen, wieder in den dritten Gang herunterzuschalten, um die erforderliche Leistung zu mobilisieren. Das ist auf die Dauer eine recht nervige Angelegenheit und trübt das Bild der Automatikversion ein. Zwar lässt sich der Overdrive am Schalthebel per Knopfdruck abstellen und so den dritten Gang als letzte Schaltstufe beibehalten, aber dann fährt man ausschließlich im hohen Drehzahlbereich und der Benzinverbrauch steigt explizit an.

Mit dem Vorwärtsdrang auf der Autobahn ist bei gut 200 km/h Schluss. Nicht, weil dann der Tacho am Anschlag der Skala ist, sonder weil bei dieser Geschwindigkeit der Motor mehr oder weniger unsanft abgeregelt wird. Ob es sinnvoll ist einen Geländewagen in diesen Geschwindigkeitsbereichen zu bewegen, darüber lässt sich vortrefflich diskutieren. Sicher ist aber, das bei dem V6 noch mehr drin wäre, gäbe es diese Abregelung nicht. Bei solchen Geschwindigkeiten steigen dann verständlicherweise auch die Windgeräusche an und übertönen bei weitem den kultiviert laufenden Sechszylinder. Im Normalbetrieb hält er sich aber vornehm zurück und meldet sich mit einem „Fauchen“ nur beim Spurt an der Ampel. Das lässt sich der durchzugsstarke Motor dann aber auch fürstlich entlohnen. Im Schnitt genehmigte er sich bei unseren Testfahrten 14,7 l Normalbenzin auf einhundert Kilometer und übersteigt damit um rund 2,5 l den von Ford angegebenen Durchschnittsverbrauch. Bedingt durch den ziemlich kleinen Tank mit nur 62 l Inhalt ist man deshalb auch gezwungen öfters einen Tankstop einzulegen.

Überhaupt macht der Maverick kein Geheimnis daraus, das er mehr On- als Off-Road-Fahrzeug ist. Der Verzicht auf eine Geländeuntersetzung, dafür Einzelradaufhängung rundum und eine selbsttragende Karosserie sind die modernen Zugeständnisse an die heutigen Straßenverhältnisse. Dennoch steht für einen Ausflug ins Gelände ein Allradantrieb mit dem schönen Namen Controll Trac II zur Verfügung, der im Normalbetrieb die Antriebskraft an die Vorderräder leitet. Wenn diese auf unebenem Untergrund oder bei Schnee nicht mehr haften, wird bis zu 50% der Kraft auf die Hinterräder geleitet. Auf Wunsch kann über einen Drehregler am Armaturenbrett auch ein permanenter Allradantrieb im Verhältnis 50:50 hergestellt werden. Die Bodenfreiheit von gut 20 cm ist für die meisten Maverick-Fahrer wohl durchaus ausreichend, in extrem schweren Gelände dürften aber als erstes die straßenorientierten Reifen dem Ausflug ein Ende setzen.

Das Fahrwerk selbst kann bedenkenlos als hervorragend bezeichnet werden. Es schluckt Unebenheiten und Schlaglöcher problemlos weg und lädt damit geradezu zum Cruisen ein. Hier kommt deutlich der Amerikaner durch, auch wenn das Fahrwerk für den europäischen Markt modifiziert worden sein soll. Die leichtgängige Lenkung und die geringe Seitenneigung der Karosserie begünstigen Kurvenfahrten und trägt in den Bergen viel zum Fahrspaß bei. Vertrauenserweckend wirken auch die fest zupackenden Bremsen, welche gefühlvoll ansprechen und kraftvoll zupacken, wenn es drauf an kommt. Der Geradeauslauf und die Wendigkeit des 4,41 m langen Maverick sind tadellos. Das aufpreispflichtige Park-Pilot-System (EUR 450,-) unterstützt den Fahrer sinnvoll bei engen Parklücken. Ein Lob für den Blick zurück verdienen auch die groß dimensionierten Außenspiegel, welche sich selbstverständlich elektrisch verstellen lassen. Schade nur, das man sie nicht auch automatisch einklappen kann. Serienmäßig beim Limited V6 ist auch der Tempomat, welcher sich problemlos über die Bedienelemente im Lenkrad steuern lässt. Allerdings bemüht er sich deutlich spürbar, die gewünschte Geschwindigkeit zu halten. Da kommt es an Steigungen auf der Autobahn schon mal zu hektischem hoch- und runterschalten. Hier macht die unvorteilhafte Automatik viel vom sanften dahingleiten kaputt. Das haben wir bei der Konkurrenz schon eleganter erlebt.

Die gefällige Karosserie trifft den Nerv der Zeit, kommt aber im Gegensatz zur Konkurrenz eher schnörkellos daher. Dafür glänzt der Maverick mit einer großen, nach oben öffnenden Heckklappe. Wenn mal nur eine Kleinigkeit in den Gepäckraum verfrachtet werden muss, lässt sich die Scheibe in der Heckklappe separat öffnen. Das ist pfiffig und typisch amerikanisch, auch wenn der Maverick eigentlich in Kanada gebaut und baugleich auch als Mazda Tribute vertrieben wird. Der Kofferraum selbst ist ausreichend groß (490 l) und kann durch das Umklappen der Rückbank im Verhältnis 1/3 zu 2/3 auf bis zu 1830 l bzw. 1,68 m Ladelänge vergrößert werden. Komplettiert wird das Gepäckabteil durch eine aufrollbare Laderaumabdeckung, diverse Haltenetze und vier Halteösen im Boden.

Eine Freude sind auch die großen, stabilen Türgriffe über die man dann den Innenraum entern kann. Auffallend im Cockpit ist sofort der Automatik-Wahlhebel am Lenkrad, wie man ihn aus amerikanischen Wagen kennt. Nach kurzer Eingewöhnung ist es unseren Testfahrern auch gelungen, ihn von der Park- oder Rückwärtsgang-Stellung präzise auf „Drive“ zu stellen und nicht gleich bis in die 2er und 1er-Stufe durchzurutschen. Die serienmäßige Lederausstattung wirkt edel, kann aber den Kontrast zur Plastikburg des Armaturenbretts nicht ganz abfangen. Beides ist ganz in Schwarz gehalten und bietet zusammen einen eher tristen Anblick. Etwas Farbe würde hier Wunder wirken. Die Vordersitze selbst bieten bequem Platz, könnten aber etwas mehr Seitenhalt geben. Leider versteckt sich der Schalter für die Sitzheizung im knapp handbreiten Spalt zwischen Tür und Sitz und kann mehr ertastet als vernünftig betätigt werden. Warum dieser Schalter dann auch noch eine Kontrollleuchte besitzt, die man niemals zu Gesicht bekommt, dürfte eine 100.000,- Mark-Frage bei Günter Jauch werden.

Die weißen Zifferblätter der Instrumente strahlen einen sportlichen Touch aus, sind gut ablesbar und bieten einen ordentlichen Überblick. Leider verzichtet der Maverick auf eine Uhr, was gerade unseren unter ständigem Termindruck stehenden Redakteuren extrem negativ auffiel. Ist das der Ford’sche Ausdruck von Zeitlosigkeit?
Ansonsten gibt das Cockpit keine Rätsel auf, alles sitzt da, wo man es erwartet. Die Lüftung mit serienmäßiger Klimaanlage lässt sich leicht und komfortabel über drei zentral in der Mittelkonsole angebrachten Drehschalter betätigen und über das elektrische Glasschiebedach kommt Licht und Luft an die Passagiere.

Ford verlangt für den Maverick Limited V6 EUR 31.120,- und bietet dafür einen SUV mit einem erhabenen Fahrgefühl, schönem Karosseriedesign, vollständiger Ausstattung und einem reichhaltigen Platzangebot. Dazu kommt der kraftvolle und durchzugsstarke Motor, dessen Bild nur durch den Schaltautomaten getrübt wird. Hier spürt man deutlich, das der Maverick in erster Linie für den amerikanischen Geschmack entwickelt wurde. Nichtsdestotrotz muss er sich vor der in erster Linie japanischen Konkurrenz hierzulande nicht verstecken. (tho)

Technische Daten:

Motorbauart/Zylinderanzahl

V6-Zylinder

Hubraum [cm3]

2967

Leistung [kw/PS] bei U/min

145 (197) bei 6.000

Max. Drehmoment [Nm] bei U/min

265 bei 4750

Antrieb

Allradantrieb

Länge x Breite x Höhe [mm]

4415 x 1.751 x 1.775

Radstand [mm]

2620

Leergewicht / Zuladung [kg]

1605 / 470

Kofferraum [L]

490

Tankinhalt [L]

62

Höchstgeschwindigkeit [km/h]

188

Beschleunigung 0 - 100 km/h [s]

10,4

Durchschnittsverbrauch [L/100 km]

12,3 Normal 91 ROZ

Grundpreis [Euro]

31.120,-


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www.Ford.de

Fotos: Th.Oelschläger

Ford Maverick

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