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Gegenwind
in Wolfsburg
Mit verschärften Wetterbedingungen in Wolfsburg hatte der Vorstand des Volkswagen-Konzerns
im Geschäftsjahr 2002 zu kämpfen. Fast alle wichtigen Kenngrößen waren im Vergleich
zum Vorjahr rückläufig. So brach der Absatz um 2,2 Prozent von 5.107.142 Automobilen
auf 4.996.179 Fahrzeuge ein, der Umsatz schrumpfte um 1,8 Prozent auf nunmehr 86,9
Mio Euro.
Das auf der letzten Hauptversammlung verkündete Ziel, im Jahr 2002 das Ergebnis des
Jahres 2001 wieder zu erreichen, wurde damit klar verfehlt. Um dramatische 12,1 Prozent
fiel infolge dessen das operative Ergebnis von 5.424 Mio Euro auf 4.761 Mio Euro. Dies
spiegelt sich auch in der Umsatzrendite vor Steuern wieder, die von 5,0 Prozent auf
4,6 Prozent sank. VW-Vorstandsvorsitzender Bernd Pischetsrieder sagte am Donnerstag
bei der Jahres-Hauptversammlung in Hamburg, das Ergebnis für das erste Quartal werde
"deutlich unter dem des Vorjahres liegen". Zahlen nannte er jedoch nicht.
Nicht ganz unschuldig daran ist die in den vergangenen Jahren vernachlässigte Konzentration
auf das Kerngeschäft. So wurden prestigeträchtige Fahrzeuge wie Phaeton und Touareg
mit hohem Kapitalaufwand in den Markt gedrückt und wichtige Schlüsselmodelle wie der
vor kurzem vorgestellte Kompaktvan Touran erst mit erheblicher Verspätung eingeführt.
Nischenmodelle wie Roadster oder Coupés sucht man bei VW noch immer vergebens. Die Volumenträger Golf und Passat sind in die Jahre gekommen
und müssen sich gegen die modernere und erstarkte Konkurrenz behaupten.
Immerhin haben die Verantwortlichen aus dem VW-Vorstand aus ihren Fehlern gelernt und
die Investitionen im Konzernbereich Automobile um 17,5 Prozent auf 9.121 Mio Euro stark
erhöht. Dies wird sich in einer wahren Modellflut widerspiegeln, die ihren Anfang mit
dem neuen Golf nehmen wird, der auf der IAA in Frankfurt der Öffentlichkeit präsentiert
und ab Oktober beim Händler stehen wird. Bisher nicht besetzte Segmente sollen mit
neuen Produkten gefüllt werden. So wird die Markengruppe Volkswagen ein preisgünstiges
Einstiegsmodell anbieten und für die Oberklasse-Modelle Phaeton und Touareg weitere
Motorisierungsvarianten anbieten. Zudem wird die Luxusmarke Bentley das neue Coupé
einführen.
Audi verspricht sich Rückenwind vom in Genf präsentierten neuen A3 sowie vom wichtigen
A6-Nachfolger, der sich ab Herbst dazu gesellen wird. Von der spanischen Tochter Seat
darf man ein geschärftes Profil mit sportlicherer Ausrichtung erwarten. Die Geschäftssparte
Nutzfahrzeuge stellte vor kurzem die neue Multivan und Transporter-Generation T5 vor,
ein Stadtlieferwagen soll noch vor Jahresende seine Markteinführung erleben. Damit
der Erfolg auch langfristig anhält, wird der Volkswagen-Konzern bis 2007 rund 33 Milliarden
Euro investieren, davon Zweidrittel in Deutschland. Im Geschäftsjahr 2003 rechnet man
damit, weltweit wieder mehr als 5 Mio Autos verkaufen zu können. Pischetsrieder sagte,
es sei gut, dass die Pläne für eine höhere Besteuerung der Dienstwagen vom Tisch seien.
Allein durch die etwa sechsmonatige Diskussion habe VW in Deutschland rund 100.000
Fahrzeuge weniger verkauft.
Eine deutliche Absage erteilte er einer Holding-Struktur für den Konzern als einem
Dach über den beiden neuen Markenfamilien um VW und Audi. Diese werde es "sicher
nicht" geben. "Der Erfolg der letzten zehn Jahre resultiert ja gerade daraus,
dass der Konzernvorstand operativ verantwortlich für Produkte und Märkte zeichnet."
Zumindest werde aber über eine weltweite Verantwortung der Marken für den Vertrieb
nachgedacht, jedoch sei noch offen, wie Marketing und Vertrieb auf Konzernebene organisiert
würden. Erst nach einer Entscheidung werde es personelle Konsequenzen geben. Pischetsrieder
hatte sich vor kurzem von Vertriebsvorstand Robert Büchelhofer getrennt. (dio) |







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