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Der mit
dem Wolf tanzt
Jeep Cherokee 3.7 Limited
Seit der Einführung des neuen Jeep Cherokee vor rund zwei Jahren konnte der Verdacht
nicht ausgeräumt werden, das die Amerikaner zwei erfolgreiche Autos - nämlich den Cherokee
und den Wrangler - zusammen gemixt und die jeweiligen Stilelemente (Scheinwerfer +
Motorhaube = Wrangler, Karosserie + Interieur = Cherokee) übernommen haben. www.automobilrevue.de
überprüfte in einem Fahrbericht, ob es den Jeep-Verantwortlichen gelungen ist, einen geländetauglichen SUV mit eigenständigem
Charakter auf die Räder zu stellen.
Obwohl der Cherokee in der Seitensilhouette etwas pummelig wirkt, gibt er sich auf
den ersten Blick als echten Jeep zu erkennen. Seine markante und robuste Optik wirkt
modern und macht Lust auf Geländeausfahrten. Seine Länge von 4,50 Metern lässt ihn
zwar stattlich erscheinen, doch 27 Zentimeter gehen alleine auf das Konto des außen
angebrachten Ersatzrades. Somit ist der Jeep eigentlich ein recht kleines Auto, vor
allem innen.
Doch vorne ist das Platzangebot durchaus großzügig bemessen während es auf der Rücksitzbank
deutlich enger zugeht. Ein Raumwunder ist er auch beim Gepäckraumvolumen mit 909 Litern
sicher nicht, doch reicht der rückwärtige Stauraum für das Reisegepäck einer vierköpfigen
Familie aus. Ein serienmäßiges Rollo verdeckt sensibles Ladegut vor neugierigen Blicken.
Recht praktisch ist die separat zu öffnende Heckscheibe, durch die leichte Utensilien
bequem eingeladen werden können. Allerdings holt man sich beim Schließen des Glasfensters
regelmäßig schmutzige Hände, denn einen Griff haben die Jeep-Konstrukteure glatt vergessen.
Schade auch, das der beim Testwagen im Kofferraum eingebaute CD-Wechsler bereits von
Anfang an seinen Dienst kläglich versagte.
Dem Innenraum des Cherokee verleihen formschöne Türgriffe Solidität, können aber nicht
darüber hinwegtäuschen, das sich schnell Ernüchterung breit macht. Den Insassen erwartet
eine typisch amerikanische Atmosphäre mit viel grauem Plastik das nicht nur billig
aussieht, sondern sich auch so anfühlt. Darüber können auch die Alu-Applikationen nicht
hinwegtäuschen. Die gesamte Haptik genügt den europäischen Ansprüchen dieser Klasse
leider nicht. Das Handschuhfach ploppt peinlich zu wie in einem japanischen Kleinwagen
der 80er Jahre. Lüftungs- und Temperaturregler lassen beim Verstellen einen fühlbaren
Wiederstand vermissen.
Das graue Leder wirkt nicht besonders hochwertig - die Sitze leider auch nicht. Die
rutschige, wenig Seitenhalt bietende Sitzfläche mit einer zu kurzen Schenkelauflage
sowie eine grobrastige Lehnenverstellung lassen keine so rechte Freude aufkommen. Verstellt
man die Rückenlehne während der Fahrt kann es passieren, das diese plötzlich viel zu
weit nach hinten klappt. Ungewohnt ist der an den vorderen Türarmlehnen angebrachte
Knopf für die Zentralverriegelung, der aufgrund seiner Form und Position häufig als
Fensterheber verwechselt wurde, während diese kostensparend zwischen den Sitzen angeordnet
sind.
Die Serienausstattung der getesteten Limited-Version ist ausgesprochen üppig und umfasst
u.a. eine Audioanlage mit CD-Wechsler, elektrisch verstell- und beheizbare Vordersitze,
elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaanlage, Leichtmetallräder, Ledersitze,
Tempomat und eine Türzentralverriegelung mit Fernbedienung. Eine simple Uhr sucht man
hingegen vergeblich.
Hervorragend zur Charakteristik des Cherokee passt der 3,7-Liter-V6, der mit der gleichen
Herrlichkeit brabbelt wie sie sonst nur Achtzylindern vorbehalten ist. In Verbindung
mit dem lässigen Viergang-Automatikgetriebe (Serie) zieht er aber trotz einer Leistung
von 155 kW/211 PS nicht eben die Wurst vom Brot. Das hohe Leergewicht von 1.941 kg
und der permanente Allradantrieb (mit sperrbaren Zentraldifferential) fordern hier
ihren Tribut. Wer trotzdem die Leistungsreserven bis zur Höchstgeschwindigkeit von
180 km/h ausreizen möchte, den bremst der Drehzahlbegrenzer unsanft bei 5.000 Touren
durch abruptes Nachlassen der Leistung wieder ein, was sich dann durch heftiges Ruckeln
und Stottern bemerkbar macht. Solange man den Fuß auf dem Gaspedal niedergedrückt hat,
wiederholt sich diese Prozedur unbarmherzig, bis man nach kurzer Zeit entnervt den
Tempomaten auf gemächlicheres Reisetempo einstellt.
Doch so richtig Freude will auch hier nicht aufkommen, denn erstaunlicherweise schaltet
die Automatik selbst bei konstanten 140 km/h hektisch zwischen den Gängen hin und her,
was erheblich zu Lasten des Fahrkomforts geht. Doch mit dem bärenstarken Sechszylinder
(312 Nm) sind rasante Beschleunigungsmanöver möglich, wozu auch die spontane Gasannahme
ihren Teil beiträgt. Freilich ist der Big block ein ordentlicher Säufer. Verbräuche
unter 12 Liter sind kaum zu realisieren, im Schnitt genehmigte er sich rund 13 Liter,
während es bei Vollast auch schon mal über 20 Liter sein dürfen.
Ausflüge ins Gelände gehören zu den besonderen Fähigkeiten des Cherokees. Sein robustes
Fahrwerk und der permanente Allradantrieb ermöglichen eine erstklassige Steigfähigkeit.
Doch das überarbeitete Fahrwerk lässt jetzt nur noch eine Achsverschränkung von 205
mm (zuvor: 215 mm) zu, die Bodenfreiheit beträgt durch das tiefergelegte Fahrwerk nur
noch 180 mm. Dafür absolviert der Jeep Ausweichmanöver souverän, obwohl er im Grenzbereich
immer noch etwas übersteuert.
Als Fazit bleibt zu sagen, das der Cherokee immer noch ein echter Jeep ist, mitsamt
seinen Stärken wie die tolle, unverwechselbare Optik, dem kräftigen Sechszylindermotor
sowie der luxuriösen Serienausstattung und seinen Schwächen zu denen der hohe Verbrauch,
das knappe Platzangebot auf der Rückbank sowie die zahlreichen Detailprobleme zählen.
Aber sind nicht gerade diese Charaktertypen so beliebt, die anstatt durch Perfektion
eher mit ihren Ecken und Kanten in unsere Herzen fahren? Keine Frage, wer Jeep fahren
will muss manchmal hart im Nehmen sein, wird dafür jedoch mit dem Hauch an Abenteuer
belohnt, das wir heutzutage sehnsüchtig suchen. (dio)
Technische Daten:
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Motorbauart/Zylinderanzahl |
V6-Zylinder |
|
Hubraum [cm3] |
3.700 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
155/211 bei
5.200 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
312 bei 3.800 |
|
Antrieb |
Allrad permanent
50:50 (v:h) |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4.496 x 1.819
x 1.817 |
|
Radstand [mm] |
2.649 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
1.941 / 600 |
|
Kofferraum
[L] |
909 / 1.951 |
|
Tankinhalt
[L] |
73 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
180 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
10,8 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
13,0 Normalbenzin |
|
Grundpreis
[Euro] |
36.400 |
Aus dem Testalltag:
Das größte Übel kam bei unserem Testwagen bei Kilometerstand 6.790 und kündigte sich
durch weißen Rauch aus Motorraum und Auspuff an. Kurze Zeit später stand der Cherokee
aus allen Löchern qualmend mit abgestorbenen Motor auf der A9 zwischen Berlin und Leipzig.
Die Zylinderkopfdichtung hatte ihren Geist aufgegeben und sich in Wohlgefallen aufgelöst.
Drei Stunden und etliche Telefonate später stand der Jeep wieder in seiner Heimatgarage
in Berlin-Spandau - dies allerdings leider nicht aus eigener Kraft. Wenn schon nicht
das Auto funktionieren sollte dann aber zumindest die Notruf-Hotline des Chrysler Mobiliäts-Services.
Ein kurzer Anruf bei der kostenlosen Hotline und der Rückflug nach Frankfurt war trotz
Wochenende unbürokratisch und schnell organisiert. An dieser Stelle ein großes Lob
an die freundlichen Mitarbeiter, die dem gestrandeten Testfahrer optimal aus seiner
Misere befreit haben.
Bei der späteren Untersuchung des Motorschadens konnte als Ursache ein gebrochenes
Schaufelrad der Wasserpumpe ausgemacht werden, ausgelöst durch einen Materialfehler.
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Weitere Informationen zu Jeep finden Sie unter www.jeep.de
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Fotos: Achmad Setiawan
















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