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Carnival
überall
Kia Carnival 2.9 CDRi EX
Kias großer Van trotzt der
allgemeinen Konsumflaute in der Autobranche und weißt rekordverdächtige Zuwächse auf.
Wo das Geheimnis des Erfolgsmodells aus Korea liegt, hat www.automobilrevue.de in einem
ausführlichen Fahrtest ausgelotet.
Es liegt noch gar nicht so lange zurück, das der deutsche Autofahrer als solcher schon
beim Erwähnen der koreanischen Automarke seinem Gegenüber einen mitleidigen Blick schenkte.
Zu stark waren die Vorurteile gegen die Billigheimer aus Fernost. Zu belanglos auch
die Modellpalette. All das hat sich aber in der Zwischenzeit grundlegend geändert.
Heute trotzt Kia der allgemeinen
Konsumflaute und legt Verkaufszuwächse vor, von denen die etablierten Autofirmen zur
Zeit nur Träumen können.
Neben dem Kia Sorento, der in das Marktsegment der leichten Geländewagen erfolgreich
eingedrungen ist, macht der Carnival den zahlreichen Vans das Leben schwer. Und das
mit Recht. Schließlich ist so eine Großraumlimousine nicht nur zum komfortablen Befördern
der Familie gut, sondern befriedigt auch die alltäglichen Transportbedürfnisse, die
im Alltag so anfallen.
Bei uns ist das gleich zu Beginn des Testzeitraumes der Transport zweier Fahrräder.
Dafür bieten sich gleich mehrere Lösungen an, die umständlichste wäre, die Einzelsitze
der beiden Heckreihen auszubauen, wobei der Van zum Transporter wird. Dafür muss man
aber Platz haben, die vier recht schweren Einzelsitze irgendwo zu lagern. Wir haben
die schnellere und einfachere Lösung gewählt und einfach die Lehnen der Rücksitze umgeklappt
und darauf dann liegend die Fahrräder transportiert. Dank der großen, nach oben öffnenden,
Heckklappe gelingt das beladen spielend leicht.
Variabel und groß
Überhaupt ist die Variabilität des Kia Carnival seine große Stärke. Im Gegensatz zu
vielen anderen Vans bestehen seine drei serienmäßigen Sitzreihen aus 2-2-3 Plätzen.
Die zweite Sitzreihe besteht also aus zwei Einzelsitzen und erst die dritte Sitzreihe
bietet 3 Personen Platz, obwohl es sich auch hierbei um zwei Einzelsitze handelt, die
aber eng beieinander stehen. Wie erwähnt lassen sich alle Rückenlehnen umlegen, jeder
Sitz einfach ausbauen oder in der Längsrichtung verschieben. So entstehen unzählige
Möglichkeiten für jeden Bedarf.
Nicht unerwähnt bleiben darf, das man zudem auch mit sieben Personen ausgesprochen
komfortabel unterwegs ist, jeder Passagier ausreichend Platz hat und die Ledersitze
sehr bequem sind. Überhaupt wird das Wohlbefinden der Passagiere groß geschrieben.
Armlehnen, große Kopfstützen, aber auch die ausklappbaren Tabletts in den Lehnen der
ersten Reihe oder die separat ansteuerbare Lüftung für alle Heckplätze machen das Reisen
angenehm. Dazu verfügt der Kia über eine sehr große Auswahl an Ablagen. Einmal etwas
abgelegt und die Sucherei kann beginnen...
Brummbär an der Front
Aber eigentlich sollte man bei einem Fahrzeugtest ja vorne beginnen. Und was ist vorne?
Richtig, der Motor. In unserem Fall der 2,9 Common Rail Turbodiesel mit 106 kW/144
PS und Vierstufen-Automatik. Der Motor selbst ist kernig mit einem großen Drehmoment
von 310 Nm, das schon bei 2000 Umdrehungen anliegt. Dafür brummt er wie ein Bär und
ist stets allgegenwärtig. Mitunter kann das etwas nervig werden, gerade bei höheren
Drehzahlen. Dafür kommt man recht flott voran, allerdings will der Raumgleiter auch
kein Rennwagen sein. Aber eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 180 km/ sollte für einen
Van auch ausreichend sein. Dabei genehmigte sich der Carnival im Schnitt etwa 9 l auf
100 km, was durchaus als akzeptabler Wert bezeichnet werden kann, besonders wenn man
berücksichtigt, das an den Motor eine Vierstufen-Automatik angeflanscht ist. Und da
sind wir schon beim großen Schwachpunkt: Der Schaltbox fehlt einfach ein zusätzlicher
Gang. So macht sie die guten Laufeigenschaften oftmals wieder zunichte, Motor und Automatik
scheinen eher gegeneinander anzukämpfen, anstatt miteinander für ansprechenden Vortrieb
zu sorgen. Oftmals schaltet die Automatik einen Gang zurück um die Geschwindigkeit
zu halten oder zu Beschleunigen. Dann aber brummt der Bär unter der Haube gewaltig.
Deshalb unser Tipp: Die leichtgängige und exakte Fünfgangschaltung der Automatikversion
vorziehen!
Komfortabel ausgelegt ist das Fahrwerk, der Abrollkomfort überrascht positiv. Das hier
ein Van mit fast 2,2 Tonnen Leergewicht unterwegs ist, zeigt sich aber beim Handling.
Der Carnival untersteuert in rasch angegangenen Kurven deutlich, vermittelt aber viel
Fahrsicherheit auch wenn es ESP selbst gegen Aufpreis nicht gibt. Die drehzahlabhängige
Servolenkung freilich dürfte mehr Gefühl für die Straße entwickeln, der Wendekreis
kleiner sein.
Bulliges Äußeres
Kommen wir zum äußeren Erscheinungsbild. Als erstes sticht die Hutze auf der Motorhaube
für den Lufteinlass des Turbodiesels ins Auge. Über sie wird der darunter liegende
Ladeluftkühler des Turboladers versorgt und suggeriert ganz nebenbei Kraft und Power.
Dies wird durch den bulligen Stoßfänger mit den integrierten Nebelleuchten unterstützt.
Moderne Scheinwerfer in Klarglasoptik runden das Bild gekonnt ab. Die Seitenlinie zeigt
die wahre Größe des Kias, der mit einer Länge von knapp 5 Meter daherkommt. Sehr gelungen
sind die hinteren Schiebetüren auf beiden Seiten, die ohne sichtbare Führungsschiene
auskommen, weil sie geschickt in die hinteren Seitenscheiben integriert wurden. Diese
lassen sich übrigens sowohl vom Fahrer, als auch von den Heckpassagieren elektrisch
aufstellen. Alles zusammen lässt sich das Platzangebot, das im Innenraum auf die Mitfahrer
zukommt, schon erahnen.
Und darauf sind wir ja anfangs schon eingegangen. Was noch unerwähnt blieb, ist der
kleine Kofferraum, wenn man wirklich mal mit 6 oder 7 Personen reist. Denn wenn alle
Plätze belegt sind, bleibt nur ein verhältnismäßig kleines Gepäckabteil, das dann mit
Mühe einen einzigen Koffer aufnimmt. Mit großer Wahrscheinlichkeit ist es dann der
des Fahrers, alle anderen müssen Ihr Gepäck vorrauschicken...
Und wenn wir gerade beim Fahrer sind, können wir auch auf seinen Arbeitsplatz etwas
näher eingehen. Er verfügt über den bequemsten Sitz überhaupt, ohne jetzt die anderen
Einzelsitze abwerten zu wollen. Aber der Fahrersitz verfügt über eine Vielzahl elektrischer
Verstellmöglichkeiten, so das auch große Fahrer eine entspannende Sitzposition finden.
Zudem hat er natürlich alles im Blickfeld. Die Schalter und Armaturen geben keine Rätsel
auf und befinden sich dort, wo man sie erwartet. Lediglich die zahlreichen Knöpfe im
Dachhimmel für die Bedienung des großen Schiebedachs lenken unnötigerweise vom Verkehrsgeschehen
ab, weil man den Blick von der Straße nehmen muss. Besser, man überlässt dies dem Beifahrer,
dann hat er auch was sinnvolles zu tun.
Ansonsten ist der Fahrer Herr über zahlreiche elektrische Helfer, was bei der Spiegelverstellung
mit praktischer Einklappfunktion, über Fensterheber, Sitzheizung und Klimaautomatik
bis hin zur sinnvollen Einparkhilfe reicht. Es fehlt lediglich ein Tempomat, aber der
wurde eigentlich auch nicht wirklich vermisst.
Im Fußraum befinden sich trotz Automatikgetriebe drei Pedale drei? Ja, wie früher
bei Mercedes üblich, wird auch beim Kia die Handbremse über ein Pedal aktiviert und
über einen Hebel im Fußraum wieder gelöst. Bei Berganfahrten zunächst etwas gewöhnungsbedürftig,
sonst aber kein Problem.
Viel Auto für wenig Geld
Und da sind wir auch schon am Ende angekommen. Der Kia Carnival bietet ernorm viel
Auto fürs Geld und liefert sich dabei nur kleinere Schwächen. Mit genau 26.260 Euro
steht er in der EX-Ausstattung in der Preisliste. Dazu kommen noch 1250 Euro für das
Automatikgetriebe, das man sich aber sparen kann. Wer sich vom Image der koreanischen
Automarke nicht abschrecken lässt, den erwartet ein voll ausgestatteter Van, der jeder
Familien-Situation gewachsen ist. (tho)
Technische Daten
(Werksangaben)
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
4 Zylinder
Common-Rail Turbodiesel |
|
Hubraum [cm3] |
2902 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
106/144 bei
3800 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
310 bei 2000 |
|
Antrieb |
Frontantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4925 x 1900
x 1735 |
|
Radstand [mm] |
2905 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
2230 / 518 |
|
Kofferraum
[L] |
302 -2092 |
|
Tankinhalt
[L] |
75 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
179 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
16,4 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
8,8 l Diesel |
|
Grundpreis
[Euro] |
26.240,- |
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Fotos: Achmad Setiawan














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