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Lada -
was will man mehr
Mit diesem Slogan versucht
der russische Hersteller seit gut zwei Jahren wieder auf dem deutschen Markt Fuß zu
fassen. Wie gut dafür die aktuelle Stufenhecklimousine Lada
110 Gli 16V geeignet ist, hat www.automobilrevue.de in einem Test untersucht.
Der erste Eindruck des russischen Wagens ist durchaus positiv obwohl man seine Vorurteile
gegenüber Lada nicht verleugnen kann. Aber das angenehme und moderne Erscheinungsbild
der neuen Lada-Generation weiß durchaus zu gefallen. Vier weit öffnende Türen sorgen
für einen bequemen Zutritt und das markante Heck mit der breiten Zierblende und dem
Spoiler auf der Heckklappe suggeriert Sportlichkeit.
Nach der Begutachtung von außen wird es nun Zeit den Innenraum unter die Lupe zu nehmen.
Der bietet bequem Platz für 5 Personen, auch wenn es naturgemäß in dieser Fahrzeugklasse
auf dem Rücksitz etwas enger zugeht. Die Vordersitze sind ziemlich weich, bieten kaum
Seitenhalt, sind aber trotzdem einigermaßen bequem. Gut haben uns die großen Kopfstützen
gefallen, welche fast schon an Kissen erinnern.
Der Blick über das Cockpit verrät ein modernes Ambiente, das dem ersten Eindruck leider
nicht so ganz standhalten kann. Zu sehr dominiert hier kalter schwarzer Kunststoff
zum Teil in billigster Qualität, wie bei den Blinker- und Wischerhebeln. Auch das dünne
harte Plastiklenkrad muß man leider hier mit aufzählen. Originell dagegen ist der Lada-Schriftzug
in kyrillischer Schrift auf dem Pralltopf des Lenkrads. Einen Airbag sucht man hier
vergebens. Den gibt es ebenso wenig wie ABS. Lada hegt aber Pläne die Personenwagen
in naher Zukunft damit auszustatten.
Gut gefallen haben uns dagegen die großen, gut erreichbaren Schalter für Licht, Heckscheibenheizung
etc, die beidseitig neben dem Lenkrad angebracht sind. Schade nur, das die dazugehörigen
Kontrollleuchten vom Lenkradkranz verdeckt werden. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die
grün getönten Außenspiegel, die dafür Nachts die Blendwirkung angenehm einschränken.
Überrascht hat uns die weitere Ausstattung des 110. So fehlen weder elektrische Fensterheber,
Zentralverriegelung oder eine automatisch regelbare Heizung, die in Anbetracht ihrer
enormen Heizleistung auf extrem kalte russische Winter schließen läßt. Allerdings nervt
die Lüftung schon auf der untersten Stufe mit einem gewaltigen Rauschen. In der technischen
Beschreibung ist sogar ein Seitenaufprallschutz verzeichnet, aber ob dieser hält was
da versprochen wird, muß in Anbetracht der dünnen und klapprig schließenden Türen bezweifelt
werden.
Der Kofferraum bietet mit 440 Litern ausreichend Stauraum. Vorsicht ist beim Kofferraumdeckel
geboten. Beim Aufklappen greifen die starken Federn ungestüm zu, der Deckel schnellt
nach oben, stößt am Anschlag an und klappt umgehend wieder zu. Wohl dem, der dann seine
Gliedmaßen nicht dazwischen hat!
Doch jetzt wird es Zeit endlich loszufahren. Der Vierzylinder 16-Ventiler ist eine
russische Eigenentwicklung und verfügt über eine Multi-Point genannte Einspritzanlage,
für die Bosch die Komponenten liefert. Zusammen mit dem Direktzündsystem erfüllt der
Motor die strenge EURO 3-Norm. Aus 1,5 l Hubraum holt die Maschine eine Leistung von
67 kW/91 PS und sorgt somit für ausreichend Kraft und läuft erstaunlich ruhig. Der
110 Gli hängt gut am Gas und beschleunigt zügig. Das 5-Gang Getriebe läßt sich leicht
und exakt schalten, so das es richtig Spaß macht nach einem Ampelstop rasch zu beschleunigen.
Mit gutem Gewissen kann man den Vierzylinder als spritzig und agil bezeichnen und das
bei einem wirklich akzeptablen Verbrauch von durchschnittlich 7,4 l/100 km (Werksangaben).
Auf der Autobahn bleibt die Tachonadel erst bei knapp unter 195 km/h stehen. Trotzdem
liegt der Lada immer noch erstaunlich sicher auf der Straße. Dann aber sind die Windgeräusche
schon sehr störend.
Ein echter Dämpfer am Fahrspaß bietet die Lenkung: Sie verfügt über keine Servounterstützung
und stellt für uns verwöhnte Mitteleuropäer einen echten Kraftakt dar. Wie lange ist
es her, das wir einen Wagen ohne Servolenkung gefahren haben? Jede Parklücke wird somit
zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Oder sind wir vielleicht alle nur viel zu
verweichlicht? Zur Ehrenrettung müssen wir eingestehen, das wir uns mehr und mehr daran
gewöhnten ohne die Hilfe einer Servopumpe auszukommen, je länger wir den Lada zu unserem
Testfuhrpark zählen durften.
Gleiches gilt übrigens auch für die Bremsanlage, die einiges an Pedalkraft fordert
um den 1040 kg schweren Lada zum Stehen zu bringen. Obwohl der 110er über einen Bremskraftverstärker
verfügt, scheint dieser seine Aufgabe nicht so ernst zu nehmen und überläßt das lieber
dem Fahrer. Das Fahrwerk ist robust ausgelegt, bügelt die schlimmsten Schotterstrecken
flach und ist somit wohl an die russischen Straßenverhältnisse angepaßt.
Ein echtes Highlight und das wirkliche Verkaufsargument ist der Preis. Lada Deutschland
verlangt für den oben beschriebenen Wagen bescheidene 7.990 (14.649 DM). Dafür
bekommt man eine robuste, sparsame und geräumige Mittelklasselimousine ohne jeglichen
Schnörkel oder Luxus. Nicht mehr aber auch nicht weniger. (tho) |
Fotos: T. Oelschläger







Fotos: T. Oelschläger
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