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Reinrassiges
aus Großbritannien
Mit dem 1995 vorgestellten MG-F knüpfte MG Rover
an die erfolgreiche Vergangenheit mit so berühmten Modellen wie MGA, MGB und MG Midget
an. Der MG-F fand auf Anhieb seine Frischluft-Fans und wurde nach 6 Jahren Bauzeit
zur IAA 2001 optisch und technisch gründlich überarbeitet. Ob es dem neuen Klassiker
gelingt, an den Verkaufserfolg seines Vorgängers anzuknüpfen, soll unser Fahrbericht
klären.
Der jetzt MG-TF genannte Roadster zeichnet sich in erster Linie durch die neue Frontpartie
aus, die mit den klar gezeichneten Projektionsscheinwerfern und einem markanteren Kühlergrill
für Furore sorgt. Die neue Front wirkt gefälliger und verleiht so dem Briten deutlich
mehr Überholprestige und Respekt. Auch das Heck wurde optisch leicht korrigiert. So
ist die Haube stärker profiliert und zeichnet sich durch eine Abrißkante aus, die die
dritte Bremsleuchte aufnimmt. Die links und rechts sitzenden Auspuff-Endrohre wurden
Gott sei dank nicht angetastet und vermitteln echtes Sportwagenflair. In der Seitenperspektive
geht der MG-TF als rassiger Sportler durch und steht einem Porsche Boxster zumindest
in der Optik in nichts nach. Die großen Kühlluftöffnungen vor den Hinterrädern zeugen
von Rasse und setzen deutliche Akzente, schöne 16-Zoll-Leichtmetallräder mit Bereifung
im Format 195/55 vorn und 220/45 hinten bestätigen das allgegenwärtige Klischee, das
Engländer schon immer schöne Auto bauen konnten.
Schönheitslifting war auch im Interieur angesagt, wo der TF optisch nun wesentlich
sportlicher wirkt. Schade nur, das sich die silberfarbenen Lüftungsschalter und Lautsprechereinrahmungen
sowie die Einfassung der Gangschaltung gleich als Kunststoffattrappen outen. Ein wenig
gebürstetes Aluminium hier und ein bißchen Edelstahl dort anstatt billiges Plastik
würden dem positiven Erscheinungsbild das i-Tüpfelchen aufsetzen. Trotzdem hat im Vergleich
zum Vorgänger das Innenraum-Design an Wertigkeit gewonnen, so zum Beispiel die Karbon-Applikationen
an Mittelkonsole und Türverkleidungen oder der massive Schaltknauf aus Metall.
Die schönen Sitze mit blauem Lederbezug sind bequem, doch weshalb die praktischen Kartentaschen
an den Sitzlehnen dem Rotstift zum Opfer fielen, ist nicht ganz nachzuvollziehen. Dafür
entdeckten wir zwei zusätzliche Lautsprecher an der Rückwand, die in Verbindung mit
den Hoch- und Mitteltönern vorne für ein üppiges Klangvolumen sorgen. Wie schon bei
Vorgänger MG-F, der als Dienstwagen die Redaktion 3 Jahre lang zuverlässig begleitete,
zwickt und zwackt es unter den Achseln. Keine Frage, der MG-TF sitzt wie ein perfekter
Maßanzug, der nach einem üppigen Mahl straff über den Bauch spannt. Doch als Roadster-Fahrer
sollte man von vornherein eine gehörige Portion Kompromißbereitschaft mitbringen, so
zum Beispiel auch beim Reisegepäck, das in dem 210 Liter fassenden Kofferraum untergebracht
werden muß. Wer denkt, daß das Mittelmotorkonzept ein großes Staufach unter der Fronthaube
bietet, täuscht sich gewaltig. Denn dort befinden sich neben Reserverad und Batterie
zahlreiche Nebenaggregate. Doch Alltagstauglichkeiten bringt der Brite allemal mit.
Immerhin lassen sich im Kofferraum drei Kisten Mineralwasser bequem unterbringen, die
allerdings über eine recht hohe Ladekante gehievt werden müssen.
Was hat sich unter dem Blech getan? Den neuen MG-TF gibt es mit vier Motorisierungen
als TF 115 mit 115 PS/85 kW, als Stepspeed mit stufenlosen Automatikgetriebe und 120
PS/88 kW, als TF 135 mit 136 PS/100 kW und als TF 160 mit 160 PS/118 kW. Wir fuhren
den TF 135 für 21.750 Euro. Vom Vierzylinder-Mittelmotor bekommt man optisch wenig
mit, doch spätestens bei Richtgeschwindigkeit macht er sich durch lautes Brummen und
Dröhnen unangenehm bemerkbar. Wer die beachtlichen Fahrleistungen - der TF 135 rennt
202 Spitze, auch wenn die Tachoanzeige mit 225 km/h etwas optimistischer ist, und schafft
den Normspurt von 0 auf 100 in 9,5 Sekunden - auskostet, sollte einen Gehörschutz dabei
haben. Das Lauschen zur Musik oder lautstarkes unterhalten wird spätesten ab 150 Km/h
zur Qual. Ab dieser Geschwindigkeit sollte der Fahrer sowieso beide Hände fest am Volant
haben, das beim Testwagen leider auffallend schief stand, und alle Sinne seinem Fahrzeug
widmen.
In der Tat erfordert der MG stark zupackende Hände, die so manche Giftigkeit des Mittelmotorkonzeptes
ausbügeln müssen. Insbesondere bei Nässe neigt der Roadster zum Kreiseln um die eigene
Achse, doch deutet als warnendes Signal auf die Annäherung des Grenzbereiches ein leichtes
Übersteuern hin. Nur wer diese Zeichen mißachtet läuft Gefahr, von der Piste zu fliegen.
Im Grunde genommen verhält sich der MG-TF recht zahm und frißt seinem Piloten aus der
Hand. Das komplett überarbeitete Fahrwerk bekam anstelle der Hinterachs-Konstruktion
mit gekoppelten Hydragasfedern des Vorgängers MG-F eine Mehrlenker-Hinterachse mit
Schraubenfedern und Gasdruck-Stoßdämpfern. Im Vorderwagen wurde die Achsgeometrie geändert
und mit MacPherson-Federbeinen ausgerüstet, was ein noch präziseres Handling zur Folge
hat. Die Karosserie konnte durch diese Maßnahmen um zehn Millimeter abgesenkt werden.
In Verbindung mit der nun direkter abgestimmten und geschwindigkeitsabhängigen Servolenkung
verhält sich der MG-TF äußerst agil und ermöglicht eine sportlich-dynamische Fahrweise,
die für großes Fahrvergnügen sorgt. Der Benzindurst hält sich dabei durchaus in Grenzen.
Wer nicht ständig die Peitsche schwingt und ihm die Sporen gibt, kommt mit 9,4 Litern
Super aus (Testverbrauch). Im leichten Galopp reichen ihm schon 8 Liter, bei rasantem
Spurt genehmigt er sich aber auch schon einmal bis zu 13 Liter.
Der MG-TF hat trotz seines "exotischen" Mittelmotorkonzeptes erstaunliche
Alltagsqualitäten verbunden mit hohem Fahrspaß. Zu seinen Vorzügen zählen das schicke
Design, das -offen und geschlossen- die Blicke auf sich zieht, der für Roadster-Verhältnisse
großzügige Kofferraum und das überarbeitete Fahrwerk, welches den kleinen MG zum Kurvenräuber
werden läßt. Der hohe Geräuschpegel und das etwas lieblos wirkende Plastik-Ambiente
des Innenraums sind dagegen noch verbesserungswürdig. (dio)
MG bei www.automobilrevue.de:
MG LeMans
MG TF
Weitere Informationen bei
www.mgrover.de |











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