|
Die große
Freiheit
Off-Roader werden in erster Linie
auf asphaltierten Straßen bewegt, nur selten erfolgt eine Ausfahrt ins Gelände. Schade
eigentlich, denn der Mitsubishi Pajero in der fünftürigen Ausführung bewies erstaunliche
Qualitäten auf unbefestigten Wegen als auch im Lang- und Kurzstreckenverkehr.
Fast schon monumental wirkt der knapp fünf Meter lange Pajero auf seine Betrachter,
was er hauptsächlich seinem hohen (1885 mm) und breiten (1875 mm) Aufbau zu verdanken
hat. Die markant nach oben gewölbten vorderen Kotflügel stechen sofort ins Auge und
lassen keine Zweifel aufkommen, das es sich um die jüngste Generation des Mitsubishi
Klassikers handelt. Die wuchtige Frontpartie umweht einen Hauch Unantastbarkeit und
suggeriert unbändige Kraft und Freiheit.
Sitzt man erst mal drinnen breitet sich rasch ein Gefühl der Unnahbarkeit aus. Überraschung
keimt auf, das dieser schwere "Klotz" - immerhin bringt der Pajero rund 2,2
t auf die Waage - sehr übersichtlich und handlich zu fahren ist. Das außen an der Hecktüre
angebrachte Reserverad dient als praktischer Abstandsmesser beim Einparken. Vorsicht
beim Rangieren in engen Parklücken ist dennoch angebracht, wie ein Ausflug in das mit
Parkraum knapp bedachte Amsterdam zeigte. Auf Gehör einparken sollte unbedingt vermieden
werden, um die angrenzenden Wagen nicht zu lädieren. Die robusten Stoßfänger unseres
Mitsubishis würden sonst schnell häßliche Spuren hinterlassen.
Dank der exakten und gefühlvollen Servolenkung läßt er sich mit einer jugendlichen
Leichtigkeit um die Ecken dirigieren und fühlt sich in der Stadt am Ijsselmeer sehr
wohl. Sein ausgewogener Federungskomfort verführt ein wenig zu forscher Fahrweise durch
die engen und unebenen Straßenschluchten entlang zahlloser Grachten, können ihm doch
selbst fiese Schweller und Aufpflasterungen nichts anhaben.
Luxuriöse Geräumigkeit macht sich im Innenraum breit. Die Fondpassagiere genießen eine
fast schon unverschämt große Bein- und Kopffreiheit. Doch der Clou ist die komplett
ebenerdig versenkbare dritte Sitzreihe, die noch mal Platz für zwei weitere Passagiere
bietet und den Pajero so zum sieben sitzigen Van werden läßt. Nicht ganz so geräumig
aber dennoch Komfort genug für kürzere Strecken. Mit wenigen Handgriffen wird die Bank
einfach aus dem unteren Staufach herausgeklappt und eingerastet. Die in der Hecktüre
steckenden Kopfstützen aufsetzen - fertig. So verwandelt sich der Geländeriese ruckzuck
in einen Raumriesen.
Sein durchzugsstarker Motor liefert ab 2.000 U/min mit 373 Nm Drehmoment reichlich
Kraft in allen Situationen und sorgt so für flotte Fahrleistungen. Immerhin treiben
160 Pferde (118 kW) den Vierzylinder-Selbstzünder mit Direkteinspritzung an und beschleunigen
ihn in 12,0 Sekunden von o auf 100 km/h. Erst bei 170 km/h (Tacho 190) geht ihm langsam
die Puste aus doch sollte es einem immer in Bewußtsein bleiben, 2,2 t träge Masse zu
bewegen. Auch tragen Fahrten unter Voll-Last nicht eben dazu bei, den Verbrauch auf
ein akzeptables Niveau zu bringen. Über die Testdistanz von rund 2.100 km verlangte
der Pajero im Schnitt 10,0 Liter Diesel pro 100 km. Ein Wert, mit dem wir gut leben
können.
Schließlich wollten wir wissen wie es um die Geländeeigenschaften des Stationwagons
bestellt ist und testeten ihm ausgiebig auf dem Gelände eines nahegelegenen Kiesabbaubetriebes.
Sein langer Radstand (2780 mm) stellt sicherlich keinen Vorteil dar, dennoch bewies
der Mitsubishi erstaunliche Fähigkeiten auch unter widrigsten Bedingungen. Vorangegangener,
tagelanger Regen machte das Gelände an manchen Stellen schier unpassierbar - nicht
jedoch für den Pajero. Sein zuschaltbarer Allradantrieb mit zwei weiteren Geländeuntersetzungen
befreit ihn selbst aus tiefen Schlammlöchern. Eine manuelle Differenzialsperre hilft
einem selbst dann noch aus dem Dreck, wenn sonst gar nichts mehr geht.
In der Praxis ist die größte Schwierigkeit oftmals die Hemmschwelle im Kopf des Fahrers,
steile Abhänge mit seinem Fahrgerät zu meistern. Nur geübten bzw. Abgebrühten Fahrern
vom Schlage einer Jutta Kleinschmidt dürfte es gelingen, den großen Pajero bis zu seiner
Leistungsgrenze zu bewegen. Die uns zur Verfügung standenen Hügel uns Schlammlöcher
reichten jedoch ohne jeden Zweifel aus, um von der hohen Geländegängigkeit des Mitsubishis
beeindruckt zu sein und ließ uns an dem Traum der großen Freiheit teilhaben.
Doch Träume sind Schäume und zerplatzen manchmal so schnell wie eine Seifenblase, zumindest
wenn der Blick auf die Preisliste des Japaners fällt. Exakt 42.640 sind für
den 3,2 DI-D in der Elegance-Ausstattung fällig. Viel Geld, aber auch unheimlich viel
Spaß. (dio) |
Fotos: A. Setiawan








|