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Kraftvoller
Brummbär
Nissan Patrol GR Elegance
Buchstäblich großer Besuch hatte sich für
unseren Testfuhrpark angekündigt. Mit einer Länge von 5,06 m und einer Breite von 1,93
m ist der Nissan Patrol GR einer der größten Geländewagen auf dem deutschen Markt.
Welche Vor- und Nachteile im Alltag daraus entstehen, hat www.automobilrevue.de am
neuen 2003er Modell des Patrol GR Elegance getestet.
Eine unbestritten imposante Erscheinung ist der große fünftürige Patrol GR überall
wo er auftaucht. Dabei ist es nicht allein die schiere Größe mit rund 5 m Länge und
1,93 m Breite, sondern vor allem auch die elegante Karosserie mit ihren sanften Rundungen,
den breiten Radhäusern und der markanten Lufthutze auf der Motorhaube, die für Aufmerksamkeit
sorgt. Das neue Karosseriedesign des Jahrgangs 2003 zeigt sich in erster Linie in der
Front. Modische Klarglasscheinwerfer umrahmen den Kühlergrill mit dem integrierten
Nissan-Logo. Der darunter liegende massive Stoßfänger sorgt für eine starke Anbindung
an die Off-Road-Palette von Nissan. Frische Akzente setzen neben den modifizierten
Trittstufen, die für einen leichteren Einstieg sorgen sollen, auch die Seitenschutzleisten
zum Schutz der Türen vor Kratzern und Dellen.
Das Nissan Erfahrung hat
mit Geländefahrzeugen der robusten Art, bezeugt die Tatsache, das der Nissan Patrol
im Jahr 2001 seinen 50. Geburtstag feierte. Auch wenn er gegenüber seinen Vorgängern
deutlich modischer und moderner geworden ist, bleibt er im Kern immer noch ein äußerst
robuster Geländewagen. Ein Blick unter das Blechkleid zeigt das deutlich. Die Ganzstahlkarosserie
ist traditionell auf einen stabilen und verwindungssteifen Leiterrahmen geschraubt
und die Achsen vorne und hinten sind wie früher üblich ungeteilt. Eine weiche Fahrwerksabstimmung
und die gute diagonale Achsverschränkung sorgen dafür, dass der Patrol elegant über
Unebenheiten aller Art gleitet. Für Fahrten ins Gelände bietet er zudem viel Sicherheit
durch den bis 40 km/h zuschaltbaren Allradantrieb, die Hinterachse mit Differenzialsperre,
den entkoppelbaren Stabilisator für mehr Verschränkung der Achsen und dem Untersetzungsgetriebe.
Kein Wunder also, das der Nissan so gestärkt rund 2,5 Tonnen auf die Waage bringt.
Um diese Masse an Auto zu bewegen, pflanzten die Nissan-Konstrukteure dem Patrol einen
3,0 l Turbodiesel-Direkteinspritzer unter die Haube, der aus seinen vier Zylindern
116 kW/158 PS zaubert. Dieser Turbodiesel war es auch, der unsere Testfahrer dazu bewog,
den Patrol nur als Brummbär zu bezeichnen. Das ist nicht negativ gemeint, schließlich
zieht der Motor ohne Turboloch an und reagiert stets sofort auf die Gaspedalbewegungen
des Fahrers. Aber dafür ist der Diesel auch permanent präsent. Nicht zu aufdringlich,
aber doch stetig brummend verrichtet er unter der Motorhaube seine Dienste. Dagegen
ist der Turbolader mit Ladeluftkühler so gut wie gar nicht zu vernehmen. Ein aggressives
Fauchen, wie bei manch anderem Diesel dieser Größenordnung unterbleibt gänzlich.
Beim Fahren zeigt sich der 3-Liter-Motor aber durchaus kernig. Er hält das Tempo eisern
selbst an größeren Steigungen. Dafür geht das Anfahren und Beschleunigen eher gemächlich
vor sich. Gleichmäßig und bedächtig beschleunigt er von 1000 upm bis 4000 upm ohne
Hochs und Tiefs und immer mit dem gleichen Schub. Einzige Unterbrechungen sind die
Schaltvorgänge, die bedingt durch die große Schaltkulisse eher langsam und ruhig vonstatten
gehen. Trotzdem lässt sich der Gangwechsel aber immer leicht und präzise durchführen.
Diese Prozedur erinnert bedingt auch durch den relativ langen Schalthebel durchaus
an Prozedur aus den LKWs.
Im Gegensatz zu den großen Kollegen ist beim Patrol aber erst bei gut 160 km/h Schluss
mit dem Vortrieb. Insgesamt gibt sich der Patrol gemütlich, was sich letztendlich auch
positiv auf die Nerven des Fahrers auswirkt.
Im Schnitt genehmigte sich unser Test-Patrol gute 12,6 l auf 100 km. Ein Wert der für
so einen großen und schweren Wagen, der zudem noch die Möglichkeit besitzt, Anhänger
bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 t an den Haken zu nehmen, durchaus akzeptabel ist.
Der von Nissan angegeben Durchschnittsverbrauch von 10,8l dürfte dagegen weniger praxisgerecht
sein.
Erklimmt man das Cockpit, so sitzt man angenehm aufrecht und thront quasi über dem
Verkehrgeschehen. Der Blick gleitet zuerst über die Hutze des Turbos auf der Motorhaube,
die ein bulliges Aussehen vermittelt. Die abgerundeten Kanten der Kotflügel lassen
leider das vordere Ende des Wagens nur erahnen. Dafür ist der Rückblick durch die großzügigen
Außenspiegel ausgezeichnet und ist ausschlaggebend dafür, das sich der große Geländewagen
vorzüglich rangieren lässt. Dabei ist er ausgesprochen geizig mit dem Wendekreis. Dem
5,06 m langen Wagen reichen dafür 12,2 m. Zum Vergleich: Der etwa 40 cm kürzere Landrover
Defender genehmigt sich dafür ganze 2 Meter mehr. Ganz wesentlich trägt bei Rangiermanövern
- gerade auch im Anhängerbetrieb - die leichtgängige Kugelumlauflenkung bei. Sie reagiert
sehr stoßunempfindlich und ist sehr direkt übersetzt, so das sie schon auf kleinste
Bewegungen reagiert.
Gewöhnungsbedürftig ist allerdings der Blick in den Innenspiegel. Die asymmetrisch
geteilte Hecktür sorgt dafür, das sich ein Türholm im Blickfeld befindet. Bei schlechtem
Wetter ist der Rückblick durch den Innenspiegel gar noch weiter getrübt, weil nur eine
der beiden Scheiben durch den Wischer gereinigt wird. Als Ausgleich dafür hängt aber
das außen befestigte Reserverad ausreichend tief, so das es den Rückblick nicht beeinträchtig.
Das ist bei vielen der anderen gängigen Geländewagen leider nicht der Fall.
Das Armaturenbrett gibt dem Fahrer keine Rätsel auf, sorgt im Gegenzug aber auch nicht
für Überraschungen. Alles sitzt an dem Platz, an dem man es auch erwartet. Die von
uns getestete Ausstattungsvariante "Elegance" bietet dazu noch zahlreiche
Holz-Applikationen im Innenraum, eine Dachkonsole mit Digitalkompass, Außentemperaturanzeige
und Brillenfach. Ob diese modernen Spielereien außerhalb des Blickfeldes des Fahrers
sinnvoll angebracht sind, darüber lässt sich sicher streiten. Das in dieser Version
ebenso serienmäßige Autoradio mit integriertem 6-fach-CD-Wechsler vervollständigt die
Ausstattung. Allerdings ließ sich der CD-Wechsler durch eine falsch herum eingelegte
CD dermaßen aus der Spur bringen, das er seinen Dienst gleich komplett einstellte.
"CD-Error" war das einzige, was sich noch entlocken ließ. Die deswegen aufgesuchte
Nissan-Werkstatt wollte das Gerät dann gleich ganz ausbauen und zum Hersteller des
Radios einschicken. Erst Nissan Deutschland konnte nach der Rückgabe des Testwagens
die CDs aus dem Wechsler wieder ans Tageslicht befördern. Da drängt sich dann doch
die Frage auf, wie das Gerät erst reagiert, wenn man mit dem Wagen in schwerem Gelände
unterwegs ist.
Begrüßt wurde - wie wohl bei jedem Auto in diesem Sommer - die ebenfalls serienmäßige
Klimaautomatik, die über separate Luftaustragsdüsen im Fond sowie Anti-Pollen-Filter
verfügt. Für viel Licht im Innenraum sorgt zudem das sehr große Glas-Schiebedach. Ausgestattet
war unser großer Nissan zudem noch mit einem optionalen Lederpaket, welchem dem gesamten
Innenraum einen luxuriösen Touch verleiht.
Serienmäßig verfügt der Patrol über sieben Sitzplätze, wobei die beiden Einzelsitze
in der dritten Sitzreihe den Kofferraum naturgemäß arg einschränken. Man sitzt, wenn
man nicht all zu groß gewachsen ist, aber auch hier durchaus akzeptabel, zumal auch
diese Sitze mit Kopfstützen ausgerüstet sind, welche separat aufgesteckt werden können.
Wird die dritte Sitzreihe nicht gebraucht, so lassen sie die beiden Sitze mit wenigen
Handgriffen zusammenfalten und hochklappen. Leider wird aber auch dann wertvoller Stauraum
im Kofferraum blockiert und wer einmal sperrige Gegenstände transportieren will, ist
gezwungen, diese Sitze ganz zu demontieren.
Auch die normale Rückbank bietet ausreichend Platz für bis zu drei Personen. Seltsamerweise
verzichtet hier Nissan aber auf eine Kopfstütze für den Passagier in der Mitte. Trotzdem
sitzt man auch hier bequem und hat ausreichend Kopf-, Schulter- und Fußraum zur Verfügung.
Bemängelt wurde lediglich, das die Anschlagpunkte für die Gurte der zweiten Rückbank
etwas hoch angebracht waren und so das sich unsere Mitreisenden stets den Gurt sprichwörtlich
vom Hals halten mussten. Trotzdem lässt sich aber ganz klar sagen, das sich der Nissan
Patrol als ausgezeichnetes Reisefahrzeug prädestiniert hat. Waren im Redaktionsalltag
längere Fahrten zu bewältigen, dann stand der große Nissan stets ganz vorne auf der
Wunschliste unserer Testfahrer.
Die schon erwähnte asymmetrisch geteilte Hecktür erweist sich in der Praxis als ausgesprochen
praktisch. Wer schon einmal die großen schweren einteiligen Hecktüren mit dem außen
angeschlagenen Reserverad eines Geländewagens geöffnet hat, wird das System des Patrols
erst richtig zu schätzen wissen. Ein weiterer Vorteil dieses Systems bemerkt man erst
in engen Parklücken, wenn der Platz zum nächsten geparkten Wagen nicht ausreicht, um
eine einteilige große Hecktür vollständig öffnen zu können. Durch das Umklappen der
beiden Hecksitzreihen entsteht ein Kofferraumvolumen von annähernd 2000 l. Das entspricht
einer Ladelänge von etwa 1, 55 m. Dadurch verwandelt sich unser Brummbär im Handumdrehen
in einen Lastesel.
Nissan verlangt für den Patrol in der von uns getesteten gehobenen "Elegance"-Austattung
EUR 41.900,-. Das Einstiegsmodell gibt es dagegen schon ab EUR 33.990,-. Dazwischen
gibt es noch die Ausstattungsvariante "Comfort", für die EUR 38.600,- verlangt
werden. Für den Patrol GR Elegance gibt es als Sonderausstattung für EUR 1890,- wahlweise
auch eine 4 Stufen-Automatik.
Letztendlich bleibt der Patrol, was er auch sein will: Ein waschechter, kerniger Off-Roader,
der von Geburt an alles mitbringt, was man zum Vorankommen im Gelände haben muss und
dort zeigt er auch all den neuen Pseudo-Allradern was eine Harke ist. Zudem gehört
er zu den wenigen Wagen, die große Anhänger mit 3500 kg ziehen dürfen. Auf befestigten
Straßen glänzt er mit sehr guten Manieren, auch wenn er es trotz des hubraumstarken
Turbodiesels eher gemächlicher angehen lässt. Er empfiehlt sich außerdem durch seinen
bequemen PKW-ähnlichen Fahrkomfort auch für längere Fahrstrecken und sorgt dafür, das
man entspannt am Ziel ankommt. Sicher ist, das der Nissan Patrol GR zu den eindruckvollsten
und leistungsfähigsten Geländewagen seiner Klasse gehört. Und das seit über 50 Jahren.
(tho)
Technische Daten:
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
4-Zylinder-Reihenmotor |
|
Hubraum [cm3] |
2953 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
116/158 bei
3600 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
354 bei 2000 |
|
Antrieb |
Heckantrieb,
zuschaltbarem Vorderradantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
5065 x 1930
x 1850 |
|
Radstand [mm] |
2968 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
2574/526 |
|
Kofferraum
[L] |
607 - 1998 |
|
Tankinhalt
[L] |
95 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
160 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
15,49 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
10,8 Diesel |
|
Grundpreis
[Euro] |
41.900,- |
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