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Naturale
Porsche Cayenne Turbo
Der Begriff "Cayenne" ist weltweit Synonym für Schärfe, Abenteuer und Lebensfreude.
Gerade diese Attribute sind es denn auch, die aus Sicht von Porsche die Charakteristik des sportlichen und geländegängigen Mehrzweckfahrzeugs -
der nach 911 und Boxster dritten Baureihe - optimal beschreiben. Der Einstieg in das Geländewagensegment
hat sich für den Sportwagenhersteller Porsche gelohnt. Vor allem in den USA wurde der
Cayenne im vergangenen Jahr zum eigentlichen Verkaufschlager, wo der Sportwagenhersteller
rund 50 Prozent seines Umsatzes macht. Laut Porsche-Boss Wendelin Wiedeking sollen
im laufenden Geschäftsjahr zwischen 70.000 und 75.000 Fahrzeuge abgesetzt werden. Davon
allein 30.000 Cayenne, der bisher mit einem Acht-Zylinder-Motor fährt und vor allem
durch das neue 6-Zylinder-Basismodell einen kräftigen Schub nach vorn machen soll.
Für die Porsche-Techniker galt es, das Unmögliche möglich zu machen. Sie mussten dem
Cayenne ein sportliches Gebaren anerziehen, wie es Autos dieses Genres ansonsten fremd
ist. Einen entscheidenden Beitrag dazu leistet der eigens für den Cayenne entwickelte
4,5-Liter-V8-Motor. Im Gegensatz zur Plattform und zur Karosseriestruktur, die sich
der Cayenne mit dem VW Touareg teilt, ist der Motor zu 100 Prozent Porsche. Mittels
zweier Abgas-Turbolader mit Ladeluftkühlung schafft der Achtzylinder 331 kW/450 PS
und erreicht ein gigantisches Drehmoment von bis zu 620 Nm im Bereich von 2.250/min
bis 4.750/min. Wichtigste Änderung zum V8-Saugmotor aus dem Cayenne S sind die Zylinderköpfe
aus einer speziellen hochwarmfesten Aluminiumlegierung, die für höhere Belastungen
ausgelegt und Rennsport bewährt sind. Außerdem bauten die Weissacher Porsche-Ingenieuere
geschmiedete Kolben ein, die zusätzlich über Ölspritzdüsen gekühlt werden. Die beiden
Turbolader entwickeln einen maximalen Ladedruck bei Volllast von rund 1,6 bar bei einer
Drehzahl von 2.250/min, der im weiteren Drehzahlverlauf auf 1,5 bar abgeregelt wird.
Aus den vier Rohren blubbert reiner Porsche-Sound
Die Leistungsentfaltung gleicht dem Ritt auf einer Kanonenkugel begleitet von einer
satten Akustik des Zylinder-Oktetts, die einer deftigen Orgie entsprungen sein könnte.
Sein spontanes Motoransprechverhalten begeistert und bewirkt Gänsehaut-Feeling samt
aufstellen der Nackenhaare. Die Fahrleistungen des Cayenne Turbo stehen reinrassigen
Sportwagen in nichts nach. 0 auf 100 km/h schafft er in nur 5,6 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit
des 2,4-Tonners endet erst bei respekteinflößenden 266 km/h. Selbst bei Tempo 200 gibt
es noch gewaltigen Vortrieb und Beschleunigungslöcher sind dem Wagen gänzlich fremd.
Im Hochgeschwindigkeitsbereich macht er allerdings für weniger geübte Fahrer einen
etwas unsicheren und nervösen Eindruck. Obwohl der Cayenne wie ein Brett auf der Straße
liegt, wird ihm sein bauartbedingter hoher Schwerpunkt leicht zum Verhängnis. Die Massenträgheit
erledigt in schnell durchfahrenen Autobahnkurven ihr übriges und sorgt für kräftig
zupackende Hände am Volant, um der Fliehkraft Einhalt zu gebieten. Sind zügige Geradeauspassagen
noch kein Problem, braucht es jenseits von 220 km/h neben Mut und Entschlossenheit
vor allem Kraft und Konzentration um den Porsche in der Spur zu halten. Unglaublich
wie gewaltig der Cayenne in Kurven nach außen drängt.
Nicht minder beeindruckend ist die Bremsanlage mit innenbelüfteten 350 Millimeter großen
Bremsscheiben und Sechs-Kolben-Monobloc-Festsätteln aus Aluminium vorn sowie innenbelüfteten
330 Millimeter großen Bremsscheiben und Vier-Monobloc-Festsätteln an der Hinterachse,
die den Porsche hammermässig verzögern. Eine Augenweide sind die Aluminiumräder im
bulligen Format 8J x 18. Die üppige Y-Serienbereifung (255/55 R18) wurde extra für
den Cayenne entwickelt und ist bis zu einer Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h zugelassen.
Dabei fördert der Turbomotor mit seinem großzügigen Drehmoment die Gelassenheit, wobei
die Sechs-Gang-Tiptronic S ihren Part dazu beiträgt. Im Normalfall muss die Automatik
nur selten schalten, was sich dann fast unmerklich vollzieht. Ganz Eilige greifen jedoch
auch gern zu den perfekt bedienbaren Schaltwippen am Lenkrad, denn ansonsten reagiert
der Automat mitunter etwas zögerlich. Wie beim 911 Turbo erfolgt die Anpassung der
Schaltpunkte an Fahrweise und Streckenprofil stufenlos. Erkennt die Elektronik beispielsweise
eine Bergfahrt, verzögert sie die Schaltpunkte um bei Steigungen oder Gefälle möglichst
lange in niedrigen Gängen fahren zu können. Dadurch wird eine bessere Beschleunigung
bzw. ein höheres Motorbremsmoment erzielt.
Blanker Horror: Der Blick auf die Tankuhr
Beim Tanken heißt es Farbe bekennen und Hosen runterlassen. Bis zu 22 Liter Super Plus
genehmigt sich der Cayenne Turbo, wodurch der üppige 100 Liter Kraftstofftank plötzlich
gar nicht mehr so großdimensioniert erscheint. Riesig ist hingegen das Loch in der
Brieftasche nach jedem Tankstop, das selbst den härtesten Kerlen die Tränen in die
Augen treiben kann wobei es beim Tankwart dann doch eher Freudentränen sein dürften.
Beträge über 100 Euro sind mehr die Regel als die Ausnahme, das waren früher immerhin
mal rund 200 Mark. Wen wunderts, wenn sich der Eine oder Andere Tankstellenpächter
plötzlich von seiner besten Seite zeigt und so ganz nebenbei mal schnell noch Reifenluftdruck
und Ölstand kontrolliert sowie geschwind noch die Frontscheibe abzieht.
Damit der Cayenne nicht nur auf der Autobahn glänzt, hat sich Porsche auch in punkto
Geländegängigkeit ins Zeug gelegt. Der innovative Vierrad-Antrieb PTM (Porsche Traction
Management) verteilt im Grundmodus 62% der Motorkraft an die Hinterräder und 38% an
die Vorderräder. Je nach Fahrsituation können bis zu 100% nach vorne oder hinten geleitet
werden, wobei Sensoren Fahrzeug-Geschwindigkeit, Querbeschleunigung, Lenkwinkel und
Gaspedalbetätigung messen, um so den optimalen Sperrgrad bemessen zu können. Für zusätzliche
Sicherheit sorgt das PSM (Porsche Stability Management), das so wichtige Systeme wie
ABS, ASR und ABD (automatisches Bremsdifferential) dirigiert, aber erst im physikalischen
Grenzbereich eingreift um das Fahrzeug durch gezieltes Abbremsen einzelner Räder zu
stabilisieren.
Bemerkenswert sind die hohen Federwege des Cayenne, die auf das Konto der serienmäßigen
Luftfederung gehen und somit eine große Bodenfreiheit gewährleisten. Der Verstellbereich
beträgt 116 Millimeter und nebenbei wird durch die Niveauregulierung die Fahrzeuglage
unabhängig vom Beladungszustand konstant gehalten. Bei höheren Geschwindigkeiten senkt
sich der Wagen automatisch ab und erhöht so die aktive Sicherheit. Soll der Ausflug
einmal in steiniges Terrain führen, glänzt der Cayenne mit bis zu 273 Millimetern Bodenfreiheit
und einem Böschungswinkel von 32,4 Grad vorn bzw. 27,3 Grad hinten. Auch Wasserdurchfahrten
meistert der Porsche mit einer Watttiefe von bis zu 555 Millimetern bestens. Serienmäßig
ist auch das neu entwickelte variable Dämpfungssystem PASM (Porsche Active Suspension
Management), das abhängig vom Fahrbahnzustand und der Fahrweise die Dämpfkraft elektronisch
verstellt. Darüber hinaus hat der Fahrer die Möglichkeit, die Programme Komfort,
Normal und Sport anzuwählen, doch hoppelte das
Fahrzeug selbst noch in der Komforteinstellung auf der Autobahn etwas unruhig.
Ein Berg von einem Auto
Der Porsche Cayenne Turbo wirkt von vorn so wuchtig, das man bereits beim bloßen Anschauen
die Macht der 450 Pferde unter seiner Motorhaube intuitiv spüren kann. Mit seinem "Familiengesicht"
outet er sich auf den ersten Blick als ein Mitglied der Zuffenhausener Sportwagenschmiede
und vermittelt durch seine muskulös ausgeformten Kotflügel, der gepfeilten Motorhaube
und den gewaltigen Luftöffnungen in der Fahrzeugfront Kraft und Stärke. Bi-Xenon-Scheinwerfer
mit geregeltem Kurvenlicht demonstrieren den Stand der Technik. Sensoren berechnen
anhand des Lenkwinkeleinschlags und der Fahrzeuggeschwindigkeit die Aufblend-Dynamik
des rechten oder linken Kurvenscheinwerfers. Am Heck ist der Turbo an seinen vier Edelstahl-Endrohren
zu erkennen und demonstriert sein Potenzial dadurch deutlich. Der Park-Assistent mit
optischer und akustischer Anzeige sorgt dafür, dass das gute und teure Stück beim Rangieren
kein Kratzer und Schrammen abbekommt.
Im Innenraum des Cayenne findet man ganz nach Art des Hauses - das Zündschloss
links vom Dreispeichenlenkrad sowie fünf Rundinstrumente, die den sportlichen Anspruch
weiter unterstreichen. Zwischen den gleichberechtigten Anzeigen für Tacho- und Drehzahlmesser
befindet sich ein fünf Zoll großes TFT-Zentraldisplay, auf dem die Daten des serienmäßigen
PCM (Porsche Communication Management) angezeigt werden, wozu neben dem Bordcomputer
auch ein Navigationssystem sowie ein 250 Watt BOSE-Surround-Sound-System mit 14 Lautsprechern
gehört. Das Cockpit ist sehr aufgeräumt und von höchster Qualität, hier gibt es verschwenderisch
viel Leder und Aluminium, so dass man sich auf Anhieb wohlfühlt. Selbst der Dachhimmel
ist mit feinstem Alcantara bezogen. Besonders schön anzusehen und anzufassen sind die
Schalter für die Klimaautomatik sowie für die Dämpfer- und Niveauverstellung auf der
Mittelkonsole.
Der Cayenne bietet 5 Personen Platz im Überfluss. Vorne wie auch hinten ist massig
Kopf- und Beinfreiheit vorhanden und sämtliche Insassen dürfen sich über eine Sitzheizung
erfreuen. Die vorderen Sitze sind elektrisch verstellbar und passen sich wie ein perfekter
Sportanzug vom Maßschneider an. Auch Porsche-Neulinge können die Bedienungsanleitung
getrost im Handschuhfach lassen, da das hochwertige Interieur nicht nur übersichtlich
sondern auch sehr funktionell ist. Das edle und große Ladeabteil ist mit Gepäcktrennnetz
und Gepäckraumabdeckung ausgestattet. Mit 540 Litern Fassungsvermögen ist es gewiss
nicht klein und kann bei Bedarf auf bis zu 1.770 Liter erweitert werden. Fahrräder
müssen jedoch außen vor bleiben, da der Cayenne durch die schräg abfallende Dachpartie
nur eine begrenzte Kofferraumhöhe und Länge zu bieten hat. Kleinere Gegenstände können
jedoch mühelos durch die separat zu öffnende Heckscheibe eingeladen werden.
Fazit
Bleibt zum Schluss noch die Frage nach dem Preis. Exakt 100.024 Euro sind an den Porschehändler
zu entrichten, womit für die meisten der Traum vom geräumigsten Sportwagen aller Zeiten
bzw. vom schnellsten Transporter abrupt platzen dürfte. Doch dafür erhält man nahezu
eine eierlegende Wollmilchsau, der jedoch noch die unmanierlichen Trinksitten abgewöhnt
werden müssten. Wer nicht unbedingt 450 PS benötigt für den schieben die Stuttgarter
jetzt das neue Basismodell mit 6-Zylinder-Motor und 250 PS nach. Hier beginnt der Spaß
bereits bei relativ bescheidenen 47.592 Euro. Hoher Neidfaktor inbegriffen, immerhin
löste unser Testwagen bei einem Porsche-Fan den Jäger- und Sammeltrieb aus und der
Turbo-Cayenne guckte uns eines Morgens traurig mit verbogenem Porsche-Emblem und zerkratzter
Frontschürze an. (dio)
Technische Daten:
|
Motorbauart/Zylinderanzahl |
V8-Zylinder-Motor |
|
Hubraum [cm3] |
4.511 |
|
Leistung [kw/PS]
bei U/min |
331/450 bei
6.000 |
|
Max. Drehmoment
[Nm] bei U/min |
620 bei 2.250
bis 4.750 |
|
Antrieb |
Permanenter
Allradantrieb |
|
Länge x Breite
x Höhe [mm] |
4.786 x 1.928
x 1.699 |
|
Radstand [mm] |
2.855 |
|
Leergewicht
/ Zuladung [kg] |
2.355 / 725 |
|
Kofferraum
[L] |
540 bis 1.770 |
|
Tankinhalt
[L] |
100 |
|
Höchstgeschwindigkeit
[km/h] |
266 |
|
Beschleunigung
0 - 100 km/h [s] |
5,6 |
|
Durchschnittsverbrauch
[L/100 km] |
11,9 bis 21,9
Super 98 |
|
Grundpreis
[Euro] |
100.024 |
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Fotos: Achmat Setiawan














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