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My car
is my castle
Schwedenstahl, hoher Sicherheitsfaktor
und Turboaufladung sind drei Schlagworte, die man gerne mit Saab
in Verbindung bringt. Ob der im Herbst 2001 überarbeitete 9-5 diesem Ruf gerecht wird
klärt unser Fahrbericht mit dem 3.0 Turbo.
Seine klassische Erscheinung lässt keine
Zweifel von seiner Herkunft aus Schweden, auch wenn die Konzernmutter GM amerikanischen
Ursprungs ist. Trotz so mancher Unkerufe der amerikanisch-schwedischen Zusammenarbeit
ist der 9-5er nach wie vor eines der wenigen originalen Fahrzeuge in einer uniformen
Autolandschaft, bei der modische Designtrends oftmals eine nur geringe Halbwertszeit
besitzen. Obwohl bereits 1997 präsentiert tritt das schwedische Flagschiff mit einem
zeitlosen und modernen Design auf. Das im vergangenen Jahr erfolgte leichte Facelift
straffte kleine Fältchen und sorgt so für neue kühle Frische. Den typischen Saab Kühlergrill
umgeben neue Scheinwerfer hinter Klarglasabdeckungen, die heute als selbstverständlich
gelten dürfen.
Die 4,82 Meter lange und 1,79 Meter breite Karosserie ist recht übersichtlich und Dank
einer Einparkhilfe findet man auch in knappen Parklücken mit Leichtigkeit Platz, ohne
die robusten Stoßleisten in Mitleidenschaft zu ziehen. Überhaupt überkommt den Passagieren
sehr schnell ein Gefühl der Geborgenheit, wenn sie erst mal im Saab Platz genommen
haben. Dazu trägt die hohe Gürtellinie sicherlich ihren Teil bei "my car
is my castle" kommt uns spontan in den Sinn. Platz bietet der Skandinavier in
Hülle und Fülle, auch bei vollbesetzter Rücksitzbank beklagt sich niemand aus unserer
Testmannschaft über ein Zwicken oder Stoßen im Schulter- und Pobereich.
Bequeme Ledersitze bieten mit Sitzheizung auf allen Plätzen, Ventilation und elektrischer
Verstellung vorne sämtliche Raffinessen, die man sich für ein Langstreckenfahrzeug
wünschen kann. Mit feinem Leder wurde nicht gespart, die edlen Rinderhäute finden sich
auch an den Türinnenverkleidungen, an der verstellbaren Mittelarmlehne sowie an Lenkrad
und Schaltknauf wieder. Ein fast schon monumentales Cockpit umgibt den Fahrer und mündet
nahtlos in einer massiven Mittelkonsole. Schade nur, das dass serienmäßige Walnussholzfurnier
durch seine matte Oberfläche etwas trist und billig wirkt. Die Instrumente sind gut
abzulesen und die Bedienung bereitet auch Saab-Neulingen keinerlei Schwierigkeiten,
jedoch könnte so mancher Schalter etwas besser verarbeitet sein. Unangenehm aufgefallen
sind uns die Scheibenwischer, die in der schnellsten Stufe permanent laute Geräusche
von sich geben und dabei gehörig nerven.
Wie fährt sich der aufgeladene Dreiliter? Sobald wir kräftig Gas geben schnellt die
Anzeige für den Ladedruck des Turboladers rasch nach oben, was sich durch unverzügliches
aber sanftes Pressen unserer Rücken in die Sitzlehnen bemerkbar macht. Der Bums ist
spürbar, das berüchtigte Turboloch bleibt jedoch aus. Die 200 Pferde (147 kW) kommen
stark aber ohne Gebrüll und treiben den Skandinavier vehement nach vorne. Dank der
serienmäßigen Traktionskontrolle (TCS) haben die Vorderräder keine Schlupfprobleme
und bringen ordentliche 310 Nm schon bei niedrigen 2.000 Umdrehungen/min mühelos auf
den Asphalt.
Das soviel Kraft auch richtig gebändigt wird, dafür sorgen die gut dosierbaren Bremsen,
die selbst die hohe Beanspruchung während einer Testfahrt durch die Alpen mühelos standhielten.
Der in das ABS integrierte elektronische Bremskraftverteiler (EBD) verteilt die Bremskraft
entsprechend der Gewichtsverteilung im Fahrzeug auf Vorder- und Hinterräder und trägt
insbesondere bei beladenem Fahrzeug zur Verkürzung des Bremsweges bei. Sollte der Neunfünfer
doch einmal zu schnell in eine Kurve fahren, verhindert das optionale ESP für 520 Euro
ein Ausbrechen durch kontrolliertes Abbremsen einzelner Räder, wenn Erforderlich auch
durch Reduzierung der Motorleistung. Doch kann ein gesundes Maß an Selbsteinschätzung
meist mehr bewirken als die ausgefeilteste Technik. Uns fehlt es jedoch an Verständnis,
weshalb dieses sicherheitsrelevante Extra, das mittlerweile selbst für die Kompaktklasse
zu haben ist, in dieser Preisklasse -immerhin kostet der 3.0t mindestens 38.300 Euro-
bei Saab nicht zum Serienumfang zählt. Da laufen die Schweden leicht Gefahr, ihren
Ruf als Vorbild in Sachen Sicherheit anderen zu überlassen.
Zufrieden sind wir mit dem Fahrwerk mit Mac-Pherson-Federbeinen vorne mit integrierten
Gasdruck-Stoßdämpfern und Einzelradaufhängung hinten mit Mehrlenkerachse, das eher
komfortabel als sportlich abgestimmt ist. Schlechte Pisten bügelt die rund 1,6 Tonnen
schwere Limousine sauber weg und auch in schnell durchfahrenen Autobahnkurven mit üblen
Querfugen zeigt sie sich gutmütig und zurückhaltend. Positiv aufgefallen ist uns der
geräumige Kofferraum, der locker 500 Liter fasst und durch umlegen der 60 zu 40 geteilten
Rücksitzbank im Bedarfsfall erweitert werden kann. Lange schmale Gegenstände wie z.B.
Skier können durch eine Öffnung in der hinteren Mittelarmlehne durchgeladen werden,
so spart man sich das Mitschleppen einer Jetbox.
Wer die souveränen Fahrleistungen gerne ausnutzt, darf sich auf eine saftige Abrechnung
mit dem Tankstellenpächter freuen. Die schnelle Limousine aus dem hohen Norden gönnte
sich während der Testdistanz im Schnitt 11,7 Liter teures Super 98, im Stadtverkehr
auch schon einmal bis zu 16,5 Liter (Werksangabe). Doch in Anbetracht der hohen Fahrleistungen
(Spitze 235 km/h, 0-100 km/h in 8,9 Sekunden) durchaus angemessene Werte.
Was bleibt denn nun von den Eingangs erwähnten Schlagworten übrig? Der Turboantrieb
machte einen guten Job und überzeugte in jeglicher Hinsicht mit Begeisterung von Anfang
an. Auch die gute Karosseriequalität ohne Knister- und Knarzgeräusche gefiel, doch
beim Thema Sicherheit haben andere mittlerweile die Nase vorn. Seiten- und Kopfairbags
für die Fondpassagiere und ein serienmäßiges ESP sollten für einen Saab selbstverständlich
sein. Vielleicht denken die Amerikaner und Schweden darüber noch einmal nach. (dio) |
Fotos: A. Setiawan











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