|
Wenn Latinlover
zu Familienvätern werden
Dann würden sie zweifelsohne einen
Seat
Alhambra fahren, aber nicht irgendeinen sondern den allradgetriebenen 2.8 Sport. Das
der in tiefschwarz lackierte und fast schon unscheinbare Van das Zeug zum wilden Stier
hat, davon erzählt unser Fahrbericht.
204 PS (150 kW), 265 Nm, 6-Zylinder,
permanenter Allradantrieb sind Schlagworte, die eine deutliche Sprache sprechen. Hier
wird nicht gegeizt, hier wird gereizt schamlos. Der Alhambra lässt seinen Fahrer
gleich von Beginn an Spüren, das es Arbeit und Fleiß bedeutet, will man ihn bändigen.
Ein leichter Druck aufs Gas und ungezähmte Kräfte verleihen ihm rasanten Vortrieb.
Doch wer jetzt an einen Macho mit quietschenden Reifen und blauem Dunst denkt, irrt
sich gewaltig. Charmant bedient sich der Spanier an ESP und Traktionskontrolle und
selbst schlüpfrige Fahrbahnoberflächen scheinen ihm nicht das geringste auszumachen.
Die Gangschaltung flutscht, sonorer Sound aus dem Doppelrohrauspuff kitzelt unsere
Ohren.
Der Drehzahlanzeiger hat den grünen Bereich weit hinter sich gelassen und kommt dem
roten bedrohlich nahe. Klick-Klack, dritter Gang, der Vortrieb will nicht aufhören.
204 PS brüllen und trampeln wie eine wilde Stampede. Klick-Klack, vierter Gang, wir
jagen Tachonadel und Drehzahlmesser ohne Gnade nach oben der Alhambra will es
doch so wir auch. Klick-Klack, fünfter Gang, Ansatz zum Überholmanöver eines
verduzten Alfa-Fahrers. Wir können uns ein schelmisches Grinsen nicht verkneifen und
beobachten im Rückspiegel sein verzweifeltes Bemühen, unser kleines Typenschild noch
zu erhaschen. Klick-Klack, sechster Gang - zu spät. Wir geben dem bissigen Van die
Peitsche und machen uns mit Tempo 217 km/h aus dem Staub.
Feuchte Hände, Schweiß rinnt uns den Rücken herunter der Seat erfordert starke
Hände, doch die sind schon dabei, die Klimaautomatik auf angenehme 20°C einzustellen.
Unsere Passagiere samt Fahrer sieben an der Zahle maßregeln uns, das
Tempo wieder etwas zu drosseln. Federungskomfort und Ohren zu liebe setzen wir den
Tempomat auf zügige 180 km/h ein, wohlwissend, noch ein paar Brickets nachlegen zu
können, falls der hartnäckige Alfa Romeo im Rückspiegel wieder auftauchen sollte. Unsere
Mitfahrer danken es, doch die Geräuschkulisse ist jetzt noch höher als vorhin. Was
ist passiert?
Die Jungs in der mittleren Reihe haben die Tabletts an den vorderen Sitzlehnen aufgeklappt
und stacheln sich gegenseitig beim Kniffeln an. Währendessen hört man von den beiden
Mitfahren auf den hinteren Einzelsitzen keinen Mucks sie haben Kopfhörer aufgesetzt
und sind tief in ihr Nintendo-Game versunken. Das wir immer noch mit 180 Sachen über
die A7 brettern scheinen sie völlig vergessen zu haben.
Plötzlich reißt uns eine Frauenstimme aus unseren Gedanken das dynamische GPS
hat einen Stau auf unserer Reisestrecke ausgemacht und schlägt eine alternative Route
vor. Ein kurzer Blick auf die Karte des Navigationsbildschirmes verrät uns, das wir
nur einen kurzen Umweg einschlagen müssen, wollen wir den Stau umfahren. Zielsicher
bringt uns der Wagen ins Ziel mit der Gewissheit, den Alfa nun endgültig abgehängt
zu haben. Beinahe enttäuscht, schon da zu sein brechen unsere Jungs ihre Kniffel- und
Gameboy-Runde ab und verlassen Schwerenmutes die mit feinen schwarzen Lederhäuten bezogenen
Sitze.
Platz bietet der Alhambra in Hülle und Fülle. Der Fahrer genießt den weiten Abstand
zur Frontscheibe und nach oben hin und auch im mittleren Bereich geht der Seat äußerst
verschwenderisch mit Platz um. Lediglich im hinteren Abteil ist es recht beengt, weshalb
man diese Plätze nur Kindern oder kleineren Personen anbieten sollte. Der Kofferraum
stößt schnell an seine Grenzen. Was für einen Wochenendausflug noch ausreichend sein
mag, entpuppt sich für das Urlaubsgepäck sieben Mitfahrer als schlichtweg zu klein.
Fünf Personen bedeuten hier das Maximale, es sei denn man schickt die Koffer per Bahnfracht
voraus. Positiv fallen die zahlreichen Ablagen auf, die sowohl kleinen als auch großen
Krimskrams aufnehmen und den Wagen stets sauber und aufgeräumt erscheinen lassen.
Da selbst die spanischen Seat-Ingenieure daran zweifeln, das echte Latinlover ein Feingefühl
fürs Einparken besitzen, spendierten sie dem Alhambra elektronische Einparkhilfen sowohl
vorne als auch hinten. Wenn aus dem immer schneller pulsierenden Piepston ein Dauerton
wird, ist das Ende der Fahnenstange, bzw. der Anfang vom Hintermann erreicht
eine echte Bereicherung. Großzügigkeit ist eine der Voraussetzungen, will man den wilden
Stieren reiten. Ihn zu bändigen erfordert einen Einstiegspreis von 34.330 . Kassiert
wird außerdem an jedem Tankstop. Seat gibt einen Durchschnittsverbrauch von 11,0 L/100
km teures Super 98 an. Wer den Alhambra kräftig tritt muß allerdings auch mit Werten
jenseits von 14,0 Litern rechnen. Das tut weh doch ein wahrer Latinlover zeigt
keinen Schmerz. (dio) |
Fotos: A. Setiawan







|