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Im Ei auf Rädern unterwegs
Die Sensation war damals nahezu
perfekt, als VW verkündete, einen
Nachfolger des legendären Käfers aufleben zu lassen. Mittlerweile hat man sich zwar
an den Anblick des Beetles im Straßenverkehr gewöhnt, aber ein echter Blickfang ist
er immer noch. Insbesondere dann, wenn man auf einmal den Beetle leibhaftig auf dem
Hof stehen hat.
Als erstes fallen einem die großen, weit öffnenden Türen auf, die nur so zum Einsteigen
einladen. Die Sitze, ausgestattet mit einer regelbaren Sitzheizung, erweisen sich als
ausgesprochen bequem, lediglich die Kopfstützen könnten einen Tick weicher sein. In
der zweiten Sitzreihe geht es naturgemäß etwas enger zu. Dafür ist die Rückbank durch
die großen Türen und die gut umklappbaren Vordersitze mühelos zu erreichen. Das Cockpit
ist klar gegliedert und weiß zu gefallen. Allerdings ist der Abstand vom Kopf bis zur
Windschutzscheibe mit 130 cm ungewöhnlich groß. Ähnliches kennt man eigentlich nur
von einigen Vans französischer Hersteller.
In Anlehnung an den seligen Käfer haben die Designer dem Innenraum eine kleine Vase
hinter dem Lenkrad spendiert, die mittlerweile schon zum Kultobjekt mutiert ist und
von VW auch mit Saugnapf als Zubehör verkauft wird. Käfertypisch sind auch die robusten
Halteschlaufen hinter den Seitentüren, die bei allen modernen Wagen nüchternen Griffen
gewichen sind. Hervorzuheben ist die Amaturenbrettbeleuchtung, die in einer Kombination
aus Blau und Rot erstrahlt und einfach toll aussieht. So macht wirklich auch die längste
Nachtfahrt Spaß!
Die niedrige Sitzposition freut im Prinzip große Fahrer, denen über 20 cm Kopffreiheit
bleibt, was geradezu für Hutträger prädestiniert ist. Allerdings ist in Kombination
mit der käfertypischen abgerundeten Front ein Blick auf die Fahrzeugkanten quasi unmöglich.
Das wirkt sich im normalen Fahrbetrieb weniger aus, als beim Einparken in enge Parklücken,
wo man dann mehr als einmal den Hals reckt. Und durch die in Wagenfarbe lackierten
Stoßfänger kann selbst der kleinste Parkrempler schnell ins Geld gehen.
Die große Heckklappe gibt ein 209 Liter großes Gepäckfach frei, da der Beetle im Gegensatz
zum legendären Käfer nicht über einen Heckmotor verfügt. Bei Bedarf läßt sich die Rückbank
umklappen. Leider ist sie nicht teilbar. Ein Nachteil der runden Heckpartie stellte
sich heraus, als wir den Kofferraum beim Wort nahmen und ihn mit einem Koffer beladen
wollten. Er ließ sich erst komplett verstauen, nachdem wir die Rückbank umgeklappt
hatten, um über die sich nach unten verjüngende Ladekante zu kommen. Erst dann konnte
die Rückbank wieder in ihre ursprüngliche Position gebracht werden.
Jetzt geht es aber los. Der 2.0 Liter Vierzylindermotor mit 85 kW/115 PS ist im Leerlauf
kaum zu vernehmen. Dafür hängt er gleich gut am Gas und beschleunigt den Beetle mühelos.
Man merkt sofort: Der Motor passt zum VW wie die Faust aufs Auge. Auch die exakte Schaltkulisse
des Fünfgang-Getriebes sowie der kurze Schaltknauf tragen maßgeblich zum Fahrvergnügen
bei.
Im Stadtverkehr zahlt sich seine Wendigkeit aus, die noch unterstützt wird durch die
großflächige Verglasung. So ist eine optimale Rundumsicht gewährleistet. Auch auf der
Autobahn ist der Beetle gut dabei. Erst ab 180 km/h geht der Vortrieb zurück. Aber
selbst in diesem Geschwindigkeitsbereich liegt er ruhig und sicher auf der Fahrbahn.
Wir hatten das Pech unsere Testfahrt bei miesem Herbstwetter unternehmen zu müssen.
Dabei zeigte sich, das nach kurzer Autobahnfahrt die Seitenspiegel mit Spritzwasser
benetzten, was einen Rückblick entsprechend erschwerte. Wird das Wetter besser, trocknen
auch die Spiegel rasch wieder ab, begünstigt durch die integrierte Spiegelheizung.
Jetzt stören allerdings eingetrocknete Wasserflecken die Sicht. Insbesondere Nachts
fanden wir das recht unangenehm.
Als sich der Tag näherte, an dem uns der Beetle wieder Richtung Wolfburg verlassen
mußte, kam dann doch etwas wie Wehmut auf. Schließlich hatten wir den neuen Käfer richtig
lieb gewonnen. Welchem modernen Auto kann man heute noch bescheinigen, so etwas wie
eine Seele zu haben? Eingefleischte Käfer-Fans können das nachvollziehen.
Fakt ist, das der VW Beetle eindeutig zu den wenigen Autos zählt, die man aus dem Bauch
heraus kauft. Und trotz des stolzen Preises von 18.925 /37014 DM kann man sagen,
das der Bauch sich keinesfalls getäuscht hat. (tho) |







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